"Jahrelanges Warten auf ein Spenderorgan"

Eppingen – „Händeringend werden Spenderorgane gesucht„, beschreibt Martin Kalus den Mangel. Der Koordinator für Organtransplantationen am Stuttgarter Katharinenhospital war auf Einladung der Landfrauen in die Stadthalle gekommen und forderte jeden auf, sich mit dem Thema zu befassen.

von Susanne Walter – Heilbronner Stimme

Gesetzeslage

„Würde ich ein Organ spenden im Falle meines Hirntodes?„ Solche Fragen müsse man sich stellen, sagte Kalus. In Deutschland sei eine Organentnahme bei Hirntod nur möglich, wenn der Patient zuvor ausdrücklich zugestimmt hat. „Wenn jemand in Deutschland eine Niere braucht, muss er sechs Jahre darauf warten“, betont Kalus. In Österreich oder Belgien seien die Wartezeiten kürzer, weil dort andere Regeln gelten, erläuterte der Fachmann: „Wer sich dort nicht zu Lebzeiten in ein Gesundheitsregister eingetragen hat, der hat nicht widersprochen. Also ist er automatisch Organspender.„ Doch die Bedenken sind da, wenn auch oft unausgesprochen. Ist es wirklich so eindeutig, jemanden für hirntot zu erklären? Kalsu verwies auf die Gesetzeslage: Der absolute Hirntod müsse ganz sicher festgestellt sein. Dazu seien Gutachten zweier Ärzte notwendig, eines Neurologen und eines Facharztes für Hirnmedizin. Außerdem werde ein Katalog von Merkmalen wie Reflexen abgefragt, deren Ausfallen die Diagnose unterstreichen. Gäbe es mehr Spenderorgane, hätte das auch finanzielle Vorteile für das Gesundheitssystem, meinte Kalus. Verglichen mit einem Dialysepatienten, rechne sich eine Spenderniere bereits im zweiten Jahr. „Die Transplantation von menschlichen Organen hat längst den Versuchsstatus verlassen“, betonte Kalus. „Das sind längst Routineoperationen.“
Tausende auf der Liste

Er kritisiert, dass die 12.000 Menschen, die in Deutschland auf ein Spenderorgan angewiesen sind, keine Lobby hätten. „Was sind 12 000 gegen die Bevölkerungszahl in Deutschland?“ Als Koordinator kümmert sich Kalus um den Ablauf einer Transplantation. Er spricht mit den Angehörigen und versucht, möglichst viele Organe zu vermitteln. Jedes Krankenhaus, das eine Intensivstation hat, brauche per Gesetz solch einen Transplantationskoordinator.

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