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Die Chance zum Lebensretter

Transplantationskoordinator Martin Kalus warb beim CDU-Stadtverband um Organspenden

Schorndorf. „Jeder kann Lebensretter sein“: So leitete der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Ingo Sombrutzki im Feuerwehrhaus ins Thema Organspende ein und stellte als Referenten Martin Kalus vor. Seit 1991 ist der Schorndorfer als Transplantationskoordinator für die Deutsche Stiftung Organtransplantation und das Transplantationszentrum im Katharinenhospital Stuttgart tätig. Die ganze Zeitungsseite als PDF

Rund 12 000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Davon sterben täglich zwei bis drei Patienten, weil ihnen kein Spenderorgan zu Verfügung steht. Mit diesen alarmierenden Zahlen begann der 90-minütige Vortrag unter dem Motto „Organspende: richtig, wichtig, lebenswichtig“. Martin Kalus berichtete von 7515 Patienten auf der Warteliste für eine Niere in Deutschland. In Ländern mit einem Widerspruchsgesetz wie Belgien und Österreich seien es nur 867 beziehungsweise 783 Menschen. Die Wartezeit auf Organe in Deutschland liege bei sieben bis neun Jahren. Während dieser Zeit schreite die Erkrankung des Patienten immer weiter fort. Je früher eine Transplantation durchgeführt wird, desto erfolgsversprechender sei sie.
Eine Organentnahme, so Kalus, sei grundsätzlich nur nach Feststellung des Hirntodes durchführbar. Martin Kalus informierte die Besucher detailliert und verständlich über das gesetzlich festgelegte Verfahren, bis der Hirntod festgestellt wird. Zahlreiche, genau festgelegte Untersuchungen seien die Voraussetzung für dieses Testat. Der Referent ging bewusst auf unterschiedliche Meinungen zum Thema Hirntod ein und stellte fest: „Wer jahrelang auf Intensivstationen gearbeitet hat, zweifelt nicht mehr am Hirntod.“
Seit 1997 gibt es in Deutschland das Transplantationsgesetz mit der sogenannten Informationslösung. Dies bedeutet, dass die Angehörigen kurz nach der Feststellung des Hirntodes entscheiden müssen, ob der Betroffene einer Organspende zugestimmt hätte. Im positiven Fall steht an 365 Tagen rund um die Uhr der Koordinator der Deutschen Stiftung für Organtransplantationen (DSO) sofort zur Verfügung und leitet eine mögliche Transplantation in die Wege. Die DSO ist die Koordinierungsstelle für Spenden innerhalb Deutschlands, eingeteilt in sieben Regionen. Von dort aus wird disponiert, wo und welches Spenderorgan operiert wird und von welcher Stelle dies den Patienten erreicht. Deutschlandweit dürfen in nur 40 Krankenhäusern, davon fünf in Baden-Württemberg, Transplantationen durchgeführt werden. Deutschland ist, wie sieben weitere europäische Länder, Mitglied bei Eurotransplant, der Informationszentrale zum Austausch von Organen.
Den Besuchern der CDU-Veranstaltung referierte Martin Kalus aber nicht nur Zahlen und Gesetzesvorgaben, sondern er beschrieb auch eindrücklich die dahinterstehenden Schicksale der Patienten. Wie das einer 22-Jährigen, die nach sieben Jahren Dialyse eine neue Niere bekommen habe. „Organspende ist in jedem Alter notwendig“, sagte Kalus und machte dies an persönlichen Erfahrungen mit einer 78-jährigen Organempfängerin und einem 82-jährigen Mann, der seinem Sohn eine Niere als Lebendspender geschenkt hat, deutlich. Bei der Veranstaltung war zudem eine Patientin aus dem Rems-Murr-Kreis zu Gast, die seit 17 Jahren mit einer transplantierten Lunge und einem transplantierten Herz lebt.
Die meisten Besucher waren nach dem Vortrag und der anschließenden Aussprache sichtlich nachdenklich, nicht wenige von ihnen auch davon überzeugt, wie wichtig es ist, für sich eine Entscheidung zu treffen. Nicht nur der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Ingo Sombrutzki, füllte noch vor Ort einen Organspendeausweis aus.

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