Das "Ranking" oder der Platz auf der Warteliste

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Dialyspatient bei uns anruft und fragt: „Habt ihr mich vergessen? Auf welchem Platz bin ich auf der Warteliste?“ oder „Wieviele sind noch vor mir?“.Die Antwort ist immer die gleiche: „Nein, wir haben Sie nicht vergessen!“ und „Sie haben keinen Platz auf der Warteliste, jedenfalls nicht im Moment.“ Soll heißen, jeder Dialysepatient hat nur im Moment des Organangebots, also bei Anruf von Eurotransplant, einen Platz auf der Warteliste. Andersherum: gibt es kein Spender, gibt s keine Rangfolge auf der Warteliste.


Um die Rangfolge des Dialysepatienten zu bestimmen, sind u.a. die Übereinstimmung der Blutgruppe (anders als bei der Lebendspende), und möglichst viele Gewebemerkmale (HLA-Antigene) mit dem Organspender Voraussetzung. Weitere Kriterien sind die Wartezeit, Dringlichkeit und Distanz zwischen Spender und Empfänger. Dies gilt i.d.R. für Patienten die zwischen 16 und 65 Jahre alt sind. <=16 gibt es einen sogenannten „Kinderbonus“, >=65 können in das sogenannte „Old-for-Old-Program„. Die „Nierenlotterie“ bildhaft dargestellt in diesem Beitrag.

Nun kann keiner in die Zukunft sehen und dem Patienten prophezeihen wann genau er transplantiert wird. Aber es gibt für die Nierentransplantationszentren die Möglichkeit, bei Eurotransplant einen sogenannten „Postallokationsreport“ via ENIS anzufordern. Dies geht relativ schnell. Es wird online aus der Datenbank eine Abfrage für einen bestimmten Zeitraum, z.B. die letzen 12 Monate durchgeführt. So ist u.a. ersichtlich, ob und wann der Patient z.B. unter den ersten 10 Kandidaten bei einem Organangebot mitselektiert wurde. Und dabei ist es völlig Gleichgültig in welchem deutschen Transplantationszentrum der Patient auf der Warteliste steht. Allerdings kann die Abfrage auch recht frustrierend für den Patienten sein, wenn er trotz 8, 9 oder 10 Jahren Wartezeit kein einziges Mal oder nur einmal im Abfragezeitraum berücksichtigt wurde. War er aber beispielsweise 3, 4 oder 5 Mal unter den ersten 10 in den letzten 12 Monaten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, bei einem erneuten Organangebot bald auf Platz 1 oder 2 zu sein.

Siehe zum Thema Organvergabe auch meinen Beitrag für den Berliner Tagesspiegel – Beilage zum Wissenschaftsjahr 2006 und weitere Posts mit dem Schlagwort „Organallokation“ und „Allocation“ bei Eurotransplant.

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Ein Kommentar zu “Das "Ranking" oder der Platz auf der Warteliste

  1. Pingback: Organspenden – Prüfbericht: Verstoß bei Nierentransplantation am UKE | Blog über medizinische Themen im Allgemeinen und Organspende und Transplantation im Besonderen.

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