"Muslime können unter bestimmten Bedingungen Organe spenden.“

„Wir sind der Auffassung, dass die Organtransplantation aus religiöser Sicht eine legitime Behandlungsform ist, wenn bestimmte Bedingungen eingehalten werden“, so der Leiter der Irschadabteilung der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), Celil Yalınkılıç, anlässlich des am 1. November 2012 in Kraft getretenen Transplantationsgesetzes. Yalınkılıç weiter:

 „Viele Menschen warten mit großen Hoffnungen auf einen geeigneten Organspender. Auf der anderen Seite ist aufgrund der jüngsten Skandale bei der Durchführung von Organtransplantationen die Zurückhaltung innerhalb der Bevölkerung gestiegen. Muslime fragen sich zusätzlich, ob die Organtransplantation auch aus religiöser Sicht legitim ist.

Da die Organtransplantation und in diesem Zusammenhang der ‚Hirntod‘ erst seit 40 Jahren Gegenstand der medizinischen Forschung ist, ist diese Frage in der islamischen Rechtsliteratur (Fikh) ein bisher unzureichend behandeltes Thema. In der islamischen Welt dauern die Diskussionen hierzu an. – nicht ohne Differenzen in den Positionen. Aus diesem Grund haben sich Fikh-Gelehrte der IGMG mit den verschiedenen Aspekten und Facetten dieser Thematik umfassend auseinandergesetzt und sind zu dem Schluss gekommen, dass eine Organtransplantation legitim ist, wenn bestimmte Anforderungen erfüllt werden.

Zunächst darf die Organtransplantation kein wirtschaftliches Geschäft sein. Das heißt, dass der Organspender oder seine Nahestehenden hierfür kein Geld fordern dürfen. Zudem muss der Spender vor seinem Tod bzw. seine Hinterbliebenen nach seinem Tod der Organtransplantation zustimmen. Damit eine Organtransplantation durchgeführt werden kann, ist außerdem erforderlich, dass der Tod eindeutig festgestellt wird. Geht es aber zum Beispiel um eine Nierentransplantation eines lebenden Menschen, so darf die Gesundheit des Spenders nicht gefährdet werden. Sofern diese Grundprinzipien eingehalten werden, ist die Organtransplantation unserer Auffassung nach religiös zulässig.

Allah erschuf den Menschen als das vollkommenste unter allen anderen Wesen. In diesem Sinne ist der Mensch sowohl in lebendigem als auch in totem Zustand würdig zu behandeln. Der Tod ist für den Menschen eine der bittersten Realitäten, vor dem es keine Rettung gibt. Wir müssen aber auch wissen, dass in unserer Religion großer Wert auf eine gesunde Lebensführung gelegt wird. Die Organspende ist daher nicht in erster Linie ein Mittel im Kampf gegen den Tod, sondern vielmehr eine Hilfe für Menschen, damit sie in ihrer verbleibenden Lebenszeit ein relativ gesundes Leben führen können. So hat unser Prophet gesagt, dass es für jede Krankheit eine Behandlung gibt und Muslime dazu angehalten, sich behandeln zu lassen. In diesem Sinne wird der IGMG-Gelehrtenrat nach weiteren Erörterungen zum Thema eine ausführliche Begründung veröffentlichen.“

Quelle: Organspende im Islam: „Muslime können unter bestimmten Bedingungen Organe spenden.“ – IGMG.de – Das islamische Portal

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