Kommentar zur Organspende: Eine Katastrophe für die Patienten

Erneut eine schallende Ohrfeige für alle, die sich sinnvollerweise für die Organspende einsetzen. 
Erst Göttingen, dann Regensburg, jetzt also auch Leipzig – der neue Skandal zeigt, wie erschreckend einfach es offenbar ist, das System zur Vergabe von Spenderorganen zu überlisten. In allen drei Fällen wurden Patienten einfach kränker gemacht als sie sind: Ein paar Blutwerte werden frisiert, zum Schein eine Dialysebehandlung in der Krankenakte angekreuzt, schon rutschen die Patienten in der Warteliste nach oben, die Chance auf ein Spenderorgan steigt.

Jahrelang haben Ärzte, Kliniken und Politik versichert, bei der Organspende gehe alles gerecht und transparent zu. Ausgeklügelte Punktesysteme, Wartelisten, strenge Richtlinien und Vorgaben, Missbrauch ausgeschlossen. Das war die Botschaft, um die im internationalen Vergleich spende-müden Deutschen dazu zu bewegen, nach dem Tod ein Organ zur Verfügung zu stellen.
Alle reagierten zu spät
Viel zu spät haben im Sommer Kliniken, Ärzteschaft und Krankenkassen bei einem Spitzentreffen vereinbart, alle Transplantationszentren in Deutschland zu kontrollieren. Nicht nur dem Präsidenten der Bundesärztekammer schwant inzwischen: Leipzig wird nicht der letzte Skandal gewesen sein. Denn erst zehn der 47 Zentren sind bislang überprüft worden. Inzwischen muss man System bei der Manipulation vermuten, denn jahrelang will niemandem etwas aufgefallen sein.
Ob im Einzelfall ein Arzt vielleicht aus Mitleid gehandelt oder eiskalt Geld für die Manipulationen kassiert hat, ist letztlich egal. Das Vertrauen in die Organspende ist erneut schwer erschüttert worden. Da nützt auch das neue Transplantationsgesetz nichts und auch nicht die Kampagne der Krankenkassen, die derzeit allen Versicherten Informationsmaterial und einen Organspenderausweis per Post zusenden.
Ein Skandal, der Leben kosten kann
Für Ärzteschaft, für die Transplantationszentren und auch für die Politik sind die Organspende-Skandale eine Blamage. Für die 12.000 Menschen, die in Deutschland dringend auf ein Herz, eine Niere oder eine Bauchspeicheldrüse warten, ist das alles eine Katastrophe. Ihre Chance auf ein überlebenswichtiges Spenderorgan  ist erneut gesunken. Daran ändern weder Krisengipfel etwas noch politischer Aktionismus.
 
Quelle: Kommentar zur Organspende: Eine Katastrophe für die Patienten | tagesschau.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s