Information und Stellungnahme zu den aktuellen Diskussionen um mögliche weitere Manipulationen von Daten von Wartepatienten im Lebertransplantationszentrum Leipzig

Gerade jetzt – Einsatz für die Organspende

Manipulationen der Warteliste auch im LTx-Zentrum Leipzig? – Dilemma Organmangel
Auch in Leipzig hat es wohl in den Jahren 2010 und 2011 und anfangs 2012 Manipulationen bei der Wartelistenführung gegeben. Dass sich Ärzte nicht an Richtlinien gehalten haben, macht uns Patienten traurig und zornig. Die Ständige Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer gibt sich viel Mühe die Richtlinien der Organvergabe dem medizinischen Stand der Wissenschaft anzupassen und für die Verteilung des Mangels gerechte Kriterien aufzustellen. Derzeit erhält der kränkste Patient das Organ gemäß dem ethischen Prinzip, dass der Bedürftigste zuerst an der Reihe ist. Bei zunehmendem Organmangel und Spenderalter und anderen negativen Faktoren sind die Langzeiterfolgsdaten bei Weitem nicht mehr so gut wie noch vor einigen Jahren. Die Ärzte an den Zentren befinden sich in einem großen Dilemma. Sie sehen ihre schwerkranken Patienten, die dringend ein Organ benötigen, und müssen zuschauen, wie diese immer weiter abbauen, bis schließlich bei viel Glück ein Organangebot kommt. Oft genug müssen Patienten von der Warteliste genommen werden, weil sie sich mittlerweilen in einem so schlechten Zustand befinden, dass sie die OP nicht mehr überleben würden. – Auch hier ist die Grenze sehr schwer zu ziehen und den Patienten und Angehörigen zu vermitteln. Das alles entschuldigt natürlich nicht die Fälschung von Daten, um eigene Patienten zu bevorzugen, aus welchen Motiven auch immer. Es soll vielmehr Hinweis sein, dass die Förderung der Organspende so notwendig ist wie nie zuvor.

Derzeit Prüfung der Wartelistenführung in der Vergangenheit an allen LTx-Zentren
Die Ärzte, die hier Fehler gemacht haben, müssen Konsequenzen zu spüren bekommen, sicher auch berufsrechtliche! Derzeit wird die Wartelistenführung von den Prüfkommissionen der Bundesärztekammer nacheinander an allen Lebertransplantationszentren in Deutschland für einen Zeitraum vor 2012 geprüft. Also die gleichen Prüfzeiträume, wie bei Göttingen, München Rechts der Isar u.a. Was jetzt aktuell aufkommt, sind also keine aktuellen Skandale der Wartelistenführung. Die Ergebnisse der Prüfungen, bei denen es keine Auffälligkeiten gab, erscheinen natürlich auch nicht in der Presse.

Maßnahmen, die Manipulationen verhindern sollen
Im Herbst 2012 sind die Richtlinien der Bundesärztekammer auch aufgrund des Ergebnisses eines Spitzengesprächs mit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr geändert worden. Es ist z.B. das Sechs- Augen-Prinzip zwingend eingeführt worden. Das bedeutet, dass nicht ein Arzt alleinverantwortlich Patientendaten zur Listung oder Wartelistenführung an Eurotransplant weitergeben darf, sondern jede einzelne Datenmeldung zur Warteliste immer in einer regelmäßigen interdisziplinären Trans- plantationskonferenz besprochen werden muss. Vorgeschrieben als Teilnehmer dieser Konferenz sind ein Internist, ein Chirurg und ein vom ärztlichen Direktor des Klinikums bestimmter weiterer Facharzt, der direkt nichts mit der Transplantation zu tun hat, aber die Materie kennt. Für die Lebertransplantation hat man sich sogar auf ein 8-Augenprinzip geeinigt. Weiterhin ist auch eine unabhängige Vertrauensstelle – auch für anonyme- Meldungen von möglichen Auffälligkeiten – eingerichtet worden. Damit hat die Politik einer unserer Forderungen aus unserem 10-Punkte-Plan entsprochen. Das geschah, um Manipulationen in Zukunft noch effektiver zu verhindern. Wie gut diese Maßnahmen greifen, kann erst beurteilt werden, wenn bei den Zentren das Jahr 2013 geprüft wird!
Ist die Diskussion zur Reduzierung der Zentren als Lösung hilfreich?
Derzeit wird auch der Ruf nach einer drastischen Reduzierung der insgesamt (für alle Organtrans- plantationen) 47 Transplantationszentren laut. Für die Lebertransplantation sind das derzeit 24. Als Begründung wird vor allen Dingen die dann bessere mögliche Kontrolle ins Feld geführt. Bevor man jedoch die Reduzierung der Zentren in Angriff nimmt, sollten viele, weitere auch patientenorientierte Aspekte berücksichtigt werden. Dies sind z.B. die flächendeckende, relativ wohnortnahe Versorgung und die gute Erreichbarkeit der Zentren für Patienten und Angehörige, ebenso die Qualität und Kapazitäten der aktuell aktiven Transplantationszentren. Alle Überlegungen sollten auch die Möglichkeiten der Nachsorge einbeziehen.
Gerade jetzt: Vertrauen fassen und über Organspende informieren!
Jedoch dürfen gerade jetzt nicht alle Transplantationsärzte und -zentren unter Generalverdacht gestellt werden. Das könnte auch die mittel- und langfristige Wirkung haben, dass sich die guten Ärzte von der Transplantationsmedizin abwenden und der Nachwuchs andere Fachgebiete wählt. Zu befürchten ist, dass die aktuell auf ein Organ wartenden Patienten die Konsequenzen tragen müssen und etliche Wartepatienten mehr versterben, weil sich die Menschen vom Thema Organspende abwenden. Das ist besonders tragisch, weil es diejenigen trifft, die im Vertrauen auf das System auf ihre Lebensrettung warten und nichts mit dem Fehlverhalten der entsprechenden Ärzte und Zentren zu tun haben. Es lohnt sich, diesen Menschen durch uns Transplantierte eine starke Stimme zu geben und sich für die Organspende weiterhin gut informiert einzusetzen!
Gerade jetzt! Und jetzt erst recht!

Jutta Riemer
Vorsitzende Lebertransplantierte Deutschland e.V.

 
Quelle: Information und Stellungnahme zu den aktuellen Diskussionen um mögliche weitere Manipulationen von Daten von Wartepatienten im Lebertransplantationszentrum Leipzig – Lebertransplantierte Deutschland e.V.

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