Transplantation und mehr: Catch the Kidney, @Fischblog!

Rund 8000 Patienten warten zurzeit in Deutschland auf eine Spenderniere. Einer von ihnen hat jetzt Glück gehabt: Lars Fischer. Der SciLogs-Preisträger von 2010 ist seit Mittwoch stolzer Besitzer einer neuen Niere, gespendet von seiner Mutter.

Kann die neue Niere auch twittern? Unter dem Hashtag #catchthekidney gibt es immer frische Informationen zum Thema, nicht nur von Lars Fischer (@Fischblog).

Organspende ist Vertrauenssache


Organspenden retten Leben. Doch eines der größten Probleme ist der chronische Mangel an geeigneten Spenderorganen bei ständig steigenden Zahlen für benötigte Organe. Derzeit warten mehr als 12.000 Menschen hierzulande auf eine neue Leber, eine Niere oder auf ein anderes Organ. Die tatsächlich realisierten Spenden können diesen Bedarf bei weitem nicht decken.
Im Jahr 2012 verzeichnete die Deutsche Stiftung Organtransplantation 1.868 postmortale Organspenden und 1.923 transplantierte Organe.
Nach Bekanntwerden der Betrügereien an deutschen Transplantationszentren kam es zu einem Einbruch der Spenderzahlen in der zweiten Jahreshälfte 2012. Jetzt sollen Kampagnen und eine so genannte „Reform des Transplantationsgesetzes“ dafür sorgen, dass wieder mehr Menschen zu Organspendern werden.
Realistisch betrachtet wird es jedoch weiterhin den „Tod auf Warteliste“ geben, wie der langjährige Transplantationskoordinator Martin Kalus in seinem Blog schreibt. Denn auch Alternativen wie das Heranzüchten körpereigener oder mechanischer Ersatzteile sowie modifizierte Tierorgane, sind vielfach noch im Laborstadium.
Tot oder lebendig spenden?
Organspende ist ein besonderes Zeichen der Mitmenschlichkeit. Keiner weiß genau, was nach dem Tod geschieht und niemand kann davon ausgehen, im Falle einer eigenen schweren Krankheit die gleiche Hilfe zu erfahren. Das macht Organspender und deren Angehörige zu Altruisten, deren Würde, Vertrauen und Persönlichkeitsrecht in einem so schweren Abschnitt des Lebens nicht verletzt werden dürfen. Gesetze können hier lediglich Leitlinien vorgeben, dass Mediziner, Wissenschaftler, Politiker und Juristen mit diesem sensiblen Thema neben der erforderlichen Fachkompetenz vor allem auch mit Empathie, Respekt und Verantwortung umgehen.
Für einen kleineren Teil der Patienten gibt es mit viel Glück auch die Möglichkeit, eine Lebendspende einer Niere oder auch eines Leberteils zu erhalten. Voraussetzungen hierfür sind ein guter Gesundheitszustand des Spenders und die Freiwilligkeit der Spende, die durch eine unabhängige Lebendspende-Kommission geprüft wird. Als Spender in Frage kommen Verwandte oder andere Personen, die mit dem Empfänger persönlich verbunden sind und deren Gewebsverträglichkeitsmerkmale (HLA-Antigene) übereinstimmen.
Nierentransplantation
Die erste dauerhaft erfolgreiche Transplantation war eine Nierentransplantation. Sie wurde 1954 am Bostoner Bent Brigham Hospital zwischen Zwillingsbrüdern durchgeführt. Der Operateur, Joseph Murray, erhielt 1990 den Nobelpreis für Medizin.
Im Jahre 2011 wurden laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation in Deutschland 2.055 Nieren nach postmortaler Organspende und 795 nach Lebendspende übertragen. Die Nierentransplantation bietet Patienten mit Niereninsuffizienz gegenüber der Dialyse deutliche Vorteile, vor allem bezüglich der körperlichen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Aber auch wirtschaftlich ist eine Transplantation die günstigere Lösung: Eine erfolgreiche Nierentransplantation kostet einschließlich der Nachsorge im ersten Jahr etwa so viel wie zwei Jahre Dialyse.
Die Erfolgsaussichten einer Nierentransplantation sind in der vergangenen Zeit deutlich gestiegen. Die durchschnittliche Funktionszeit eines Transplantates beträgt derzeit etwa neun Jahre, einige Organe halten aber auch 20 oder mehr Jahre durch. Auch wenn transplantierte Patienten ihr Leben lang Medikamente in Form von Immunsuppressiva nehmen müssen, um die Abstoßung zu verhindern, sind ihre Überlebenszeiten deutlich größer als die der Dialysepatienten.
Erfolgsstory #catchthekidney
Lars Fischer (@Fischblog) ist nicht nur ein mit dem SciLogs-Preis 2010 ausgezeichneter und wie er sich selbst auf Twitter beschreibt „Autor, Science-Nerd & professioneller Besserwisser, Redakteur bei spektrum.de“, sondern vor allem auch ein Glückspilz mit den passenden Genen. Denn dank der richtigen Chemie und eines kompatiblen Immunsystems, arbeitet seit Mittwoch eine der beiden Nieren seiner Mutter nun wieder für ihren Sohn.

Der erste Tweet postoperativ: Hurra, die Niere tut’s.

Wollen wir hoffen, dass sich das alte neue Organ wieder gut an seinen neuen alten Benutzer gewöhnt, auch damit die aus „Wir Werden Alle Sterben“ (#WWAS) bekannte Audrey im Laufe der weiteren Folgen erblühen kann.

Spektrum-Redakteur Mike Beckers gibt sein Bestes für die Nieren- und derzeit @Fischblog-lose Audrey (s.a. #WWAS).

Selbst wenn wir alle irgendwann sterben werden: Dreimal hoch sollen sie leben – Lars, seine Spenderin und ihre Niere(n)! Spätestens beim nächsten Bloggertreffen in Deidesheim werden wir dies mit einem gebührenden Funktionstest beweisen – für Lars dann sogar (fast) ohne Beschränkung der Trinkmenge.

Hoch lebe die Spenderin, der Empfänger und das Organ!

Organspende: Top-Thema des Baden-Württembergischen Ärztetags
Damit die Bevölkerung wieder mehr Vertrauen in die Organspende setzt, stellt die Landesärztekammer Baden-Württemberg das Thema Organspende in den Mittelpunkt ihres nächsten Ärztetags. In einer Podiumsdiskussion stellen sich namhafte Experten den Fragen nicht nur von Ärzten und im Gesundheitswesen Tätigen, sondern vor allem auch von der Bevölkerung.
Der diesjährige Baden-Württembergische Ärztetag findet statt am 20. Juli in der Stadthalle Reutlingen. Um Voranmeldung wird gebeten; die Teilnahme ist kostenfrei.
Last but not least:
Wer Lars einen Gruß schicken will, kann dies übrigens auch hier tun: http://www.catchthekidney.com

Literatur / weiterführende Informationen:

Quelle: Transplantation und mehr: Catch the Kidney, @Fischblog! | Medicine & More

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