Transparenz ist das Versprechen

Nach dem Organspendeskandal haben die Beteiligten Besserung gelobt / Doch wer zuständig sein soll, ist noch offen.

Im Juli 2012 wurde bekannt, dass an den Universitätskliniken Göttingen und Regensburg Wartelisten manipuliert wurden. Der frühere leitende Göttinger Transplantationsarzt steht von diesem Montag an wegen versuchten Totschlags in elf Fällen sowie Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vor Gericht. Auch an Kliniken in München und Leipzig kamen Verdachtsfälle auf. Die bayerische Regierung hat daraufhin zwei Zentren geschlossen. Derzeit hoffen rund 12 000 Kranke bundesweit auf ein Organ – viele vergeblich. „Sie sterben, bevor sie ein Spenderorgan bekommen können“, sagt Birgit Blome von der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Nach dem Auffliegen der Vorgänge an den Kliniken hat die Bereitschaft der Bevölkerung zur Organspende nachgelassen.

Dass Manipulationen wie bei den Universitätskliniken unter Strafe stehen, ist eine Neuerung des Transplantationsgesetzes. Weitere sollen folgen. Kern der Reformen ist das geplante nationale Transplantationsregister. Bislang liegen die Daten zu Spendern und über die Qualität der Organe bei der Deutschen Stiftung Organspende (DSO), die zu Empfängern sowie die Wartelisten bei Eurotransplant. Die Bundesärztekammer (BÄK) legt zudem Richtlinien fest. Nun sollen alle Informationen in einem Register zusammengeführt werden. „So kann man feststellen, welches Organ mit welchen Risiken welchem Empfänger transplantiert wurde“, sagt Rainer Hess. Als neuer Vorstand ist der Jurist für die Umstrukturierung der DSO zuständig. Die Neugestaltung ist ein Versuch, das Vertrauen in die Spende wieder zu stärken. Mit dem Register sei das System besser überprüfbar und Täuschungen könnten leichter aufgeklärt werden, so Hess. Doch bis zur Einführung kann noch einige Zeit ins Land ziehen – wann es so weit ist, vermag keiner der Beteiligten zu sagen.

In den vergangenen Monaten untersuchte ein BÄK-Gremium außerdem die 24 deutschen Lebertransplantationszentren. Diese stehen im Fokus der Untersuchungen, da sich die bisherigen Verdachtsfälle auf diese beschränkten. Der endgültige Bericht liegt der Öffentlichkeit noch nicht vor. Die Zentren sollen laut BÄK zuvor die Möglichkeit haben, darauf zu reagieren. Patientenschützer haben allerdings Zweifel, dass die BÄK als einer der Hauptakteure im Transplantationswesen das richtige Gremium ist, um einen unabhängigen Bericht zu erstellen.

Einzelfälle oder systematische Manipulation?

In Baden-Württemberg ist man sich derweil sicher: „Hier gibt es keine Hinweise auf Manipulationen“, sagt Christoph von Ascheraden, Transplantationsbeauftragter der hiesigen Landesärztekammer und Präsident der Bezirksärztekammer Südbaden. Auch für die in Freiburg transplantierten Organe – Herz, Niere, Lunge, Pankreas – soll es zusätzliche Kontrollen geben. Lebertransplantationen finden in Freiburg nicht statt. Im Zuge der stärkeren Kontrollen habe sich laut von Ascheraden ein Sechs-Augen-Prinzip etabliert: Bislang konnte ein Arzt weitgehend alleine wichtige Entscheidungen treffen. Fortan sollen zwei weitere unabhängige Ärzte mit einbezogen werden.

Unstimmigkeiten gibt es allerdings bei den Zuständigkeiten: Die Grünen plädieren für eine öffentlich-rechtliche Struktur des Transplantationswesens. Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert die Einrichtung eines staatlichen Instituts (siehe Interview unten). Derzeit organisiert die DSO die Vergabe der Organe. „Das Transplantationssystem hat bisher durchaus funktioniert“, sagt von Ascheraden. Der Mediziner hält, ebenso wie die BÄK, nichts von einer Verstaatlichung des Systems.

Haben die Ereignisse nicht gezeigt, dass das Selbstverwaltungssystem nicht funktioniert? „Das ist eine Wertungsfrage: Sind es bedauerliche Einzelfälle oder steckte eine Systematik dahinter?“, sagt Hess. „Bund und Länder sind künftig unmittelbar in die Geschehnisse einbezogen.“ Ganz die Zügel aus der Hand geben, wollen die Beteiligten nicht, die Richtlinien aber müssen sie sich fortan vom Gesundheitsministerium absegnen lassen.

Überwachung ist das eine, versprochen wurde auch Transparenz. Dass man dennoch nicht alle Karten auf den Tisch legen möchte, zeigt die Reaktion der BÄK auf eine Anfrage der BZ: Den Kontakt zu einem der Kontrolleure herzustellen, die für die Überprüfung der Zentren zuständig sind, sei nicht möglich.

Quelle: Organspende: Transparenz ist das Versprechen – badische-zeitung.de

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