«Macht aus meinem Tod Leben»

Ein Segen für die Menschen in den Krankenhäusern von Karlsruhe: Br. Klaus Schäfer. Foto: Matthias Leidert

Ein deutscher Ordensmann und Klinikseelsorger veröffentlicht sein Ja zur Organspende
«Macht aus meinem Tod Leben»

Von Josef Bossart / Kipa
Zürich, 30.11.13 (Kipa) Sein Leib soll anderen Menschen dienen, wenn er dereinst stirbt, fordert Klaus Schäfer (55): «Macht aus meinem Tod Leben». Der Priester, Ordensmann und Klinikseelsorger in Karlsruhe (Deutschland) ist ein flammender Befürworter der Organspende. Er will als Christ mit gutem Beispiel vorangehen und hat sein persönliches Ja zur Organspende veröffentlicht: «Mein letzter Wille».
Es fehle weltweit an Organen, und die Spendebereitschaft lasse in allen Ländern zu wünschen übrig, stellt Schäfer besorgt fest. Der Priester gehört dem Pallottiner-Orden an und ist seit 1999 Klinikseelsorger in Karlruhe.
Seit 2011 beschäftigt sich Schäfer intensiv mit der Frage der Organspende. Auslöser sei ein Gespräch mit einem Mitarbeiter in der Klinik gewesen, erzählt er. Dieser habe vehement die Überzeugung vertreten, dass Hirntote noch leben würden, und dabei nicht zuletzt auch auf entsprechende Zeitungsartikel von Ärzten verwiesen. Im April 2012 veröffentlichte Schäfer zwei Buchbände «Pro und Contra zur Organspende»; im zweiten Band stellt er «555 Irrtümer» richtig, die er nach eigenen Angaben in den Medien zum Thema Organspende gefunden hat.

«Kein Akt der Nächstenliebe»

Schäfers Sorge: «Immer mehr und immer grössere christliche Gruppen haben sich von den Halb- und Unwahrheiten der Kritiker irreführen lassen. Sie beginnen nun damit zu argumentieren, dass es kein Akt der Nächstenliebe sei, sein Organe zu spenden, weil der Empfänger nicht der Nächste ist – da unbekannt.» Nicht zuletzt deshalb habe er sich entschlossen, sein persönliches Bekenntnis (»Mein letzter Wille» – siehe Separat) zur Organspende breit zu veröffentlichen.
In Deutschland wird die Frage, ob ein hirntoter Mensch auch wirklich tot ist, aktuell auch in den Kirchen heftig diskutiert. So weist etwa der Dachverband der evangelischen Frauen in seinem diesjährigen Positionspapier zur Organtransplantation darauf hin, dass manche Fachleute die Auffassung vertreten, «dass Hirntote keine toten, sondern sterbende Menschen sind, deren Sterbeprozess erst mit der Organentnahme endgültig abgeschlossen ist.»

12 Spender pro Million Einwohner

1.165 Menschen haben in der Schweiz Ende 2012 auf ein Spenderorgan gewartet. Bei 453 Personen konnte im Lauf des letzten Jahres eine Transplantation durchgeführt werden; 53 starben noch auf der Warteliste, weil keine Spenderorgane zur Verfügung standen. Es fehlen in der Schweiz die Spenderorgane. Derzeit warten 1.238 Patienten auf eine Organspende.
Die durchschnittliche Spenderrate beträgt in der Schweiz nach Angaben der Stiftung Swisstransplant 12 Spender pro Million Einwohner. In Frankreich, Italien und Österreich liegt die Rate bei rund 23,3 Spendern. Weltweit am grössten ist die Spendebereitschaft in Spanien: Dort werden 35 Spender pro Million Einwohner registriert.
Am 28. November hat der Ständerat eine Revision des Transplantationsgesetzes abgelehnt, die vorsieht, dass einer verstorbenen Person Organe entnommen werden können, sofern diese sich vor dem Tod nicht ausdrücklich dagegen ausgesprochen hat. Weil diese sogenannte «Widerspruchslösung» vorläufig vom Tisch ist, gilt also in der Schweiz weiterhin die sogenannte «erweiterte Zustimmungslösung».
Bei der «erweiterten Zustimmungslösung» wird eine fehlende Erklärung der verstorbenen Person weder als Ablehnung noch als Zustimmung gewertet, sondern lediglich als Nichterklärung. In einem solchen Fall werden die nächsten Angehörigen angefragt. Stimmen diese einer Organentnahme zu, so ist diese zulässig. Liegt der Wille der verstorbenen Person vor, so hat dieser in jedem Fall Vorrang gegenüber demjenigen der nächsten Angehörigen.
Endgültig aus Abschied und Traktanden gefallen ist eine «Widerspruchslösung» noch nicht: In der nächsten Session befasst sich der Nationalrat erneut mit dem Transplantationsgesetz. Der Nationalrat hatte eine Motion deutlich angenommen, welche die Einführung der «Widerspruchslösung» verlangt.
Der Bundesrat setzt nicht auf einen Systemwechsel, sondern auf den Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen». Dabei sollen Koordinatoren auf allen Ebenen eingesetzt, verbindliche Spendenprozesse in allen Spitälern aufgebaut und soll eine nationale Stelle geschaffen werden; und vor allem: Es soll die Bevölkerung breit über den Bedarf an Organspenden informiert werden.
Separat:

Mein letzter Wille

Ich habe meinen Leib als Geschenk von Gott erhalten.
Mit der Gesundheit meines Leibes
bekam ich die Fülle des Lebens geschenkt.
Ich habe meinen Körper gepflegt,
auf dass er mir noch Jahrzehnte dienen möge.
Mein vorzeitiger Tod setzt diesem Vorhaben ein jähes Ende.
So bitte ich Euch: Macht aus meinem Tod Leben.
Doch wenn mein Leib mir nicht mehr dienen kann,
so soll er wenigstens anderen Menschen dienen.
Daher will ich meinen Leib als Geschenk weiterschenken
und die Anderen dürfen es als Geschenk annehmen.
Schenkt mein empfangenes Leben in Fülle an andere weiter,
damit diese an dieser Fülle teilhaben können.
Schenkt mein Herz einem,
nach dem der Tod greift, weil sein Herz zu schwach ist,
oder für den ein Schritt bereits eine Überforderung ist.
Schenkt meine Lungen einem,
dem Atmen körperliche Höchstleistung abverlangt,
oder dessen Atemzüge wie durch einen Strohhalm sind.
Schenkt meine Leber einem,
dessen Leib sonst langsam vergiftet wird,
und der damit spürt, wie der Tod langsam nach ihm greift.
Schenkt meine Niere einem,
der drei Tage in der Woche für 5 Stunden an der Dialyse hängt
und den Rest dieser Tage sich davon erholen muss.
Schenkt meine Bauchspeicheldrüse einem,
dem die Fehlfunktion des Pankreas die Niere angreift
und er deswegen an die Dialyse muss.
Umsonst habe ich empfangen, umsonst will ich geben. (Mt 10,8)
In reichem, überfliessendem Mass wurde ich beschenkt. (Lk 6,38)
Mit reichem, überfliessendem Mass will ich daher schenken.
Was ich mit meinem Leib nicht fertig brachte,
sollen andere Menschen vollbringen und vollenden.
Was ich an meinem Leib nicht geschätzt habe,
sollen andere Menschen schätzen.
Was ich meinen Leib nicht gepflegt habe,
sollen andere Menschen gut pflegen.
Wenn ich weiss, dass ihr diesen meinen letzten Willen erfüllt,
gehe ich gerne auch vorzeitig aus dieser Welt.
Denn dann weiss ich, dass nicht nur mein Leben,
sondern auch mein Sterben einen Sinn hatte
und anderen Menschen zum Geschenk wurde.
Pater Klaus Schäfer
(kipa/job/am)

Quelle: «Macht aus meinem Tod Leben» – kipa/apic

Zitate von Päpsten über Organspende

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