Organspende-Prozess: Aiman O. darf zu Weihnachten aus dem Gefängnis

Aiman O. darf das Gefängnis verlassen. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen hat am Montag den Vollzug des Haftbefehls gegen den früheren Leiter der Transplantationschirurgie an der Universitätsmedizin Göttingen ausgesetzt. Um auf freien Fuß zu kommen, muss der Arzt eine Kaution von einer halben Million Euro hinterlegen, zudem muss er seinen Personalausweis und seinen Reisepass abgeben. Ohne die Genehmigung der Kammer darf er den Landkreis Göttingen künftig nicht verlassen. Zwei Mal am Tag muss er sich bei der Polizei melden.

Der 20. Verhandlungstag: Aiman O. betritt der Gerichtssaal. © dpa

Aiman O., der seit elf Monaten in Untersuchungshaft sitzt, muss sich seit einem Vierteljahr wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags in elf Fällen sowie wegen Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, die Daten seiner Patienten so manipuliert zu haben, dass diese auf der Warteliste für Spenderorgane weiter hoch rutschten – wodurch andere Patienten, die ein Organ dringender gebraucht hätten, womöglich gestorben sind. Zudem soll er in drei Fällen ohne erkennbaren Grund Lebern transplantiert haben. Die drei Patienten starben jeweils an den Folgen der Operation.
Nach wie vor dringender Tatverdacht
Wie der Vorsitzende Richter Ralf Günther am Montag in seiner mehr als einstündigen Erklärung verlas, erkennt die Kammer weiter „dringenden Tatverdacht“. Im Fall eines Schuldspruchs sei von einer Haftstrafe auszugehen, die über die bislang in Untersuchungshaft verbrachte Zeit hinausgehe, weshalb die Kammer den Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Braunschweig nicht aufhob, sondern nur dessen Vollzug aussetzte.
Die Hauptverhandlung mit bislang 20 Verhandlungstagen und 50 Zeugen habe den Vorwurf bestätigt, dass von Aiman O. selbst oder in seinem Auftrag Manipulationen verübt worden seien. Ein deutlich von der Anklageschrift abweichendes Bild hat die Kammer mittlerweile dagegen von den drei „Indikationsfällen“ gewonnen, bei denen wegen Körperverletzung mit Todesfolge verhandelt wird. In zwei der Fälle erkennen die Göttinger Richter überhaupt keinen Tatverdacht mehr, im dritten muss sich Aiman O. nun wegen fahrlässiger Tötung verantworten.
Die Staatsanwaltschaft kündigte Beschwerde gegen den Beschluss der Kammer an. Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff hatte vergangene Woche einen Antrag gegen die Aufhebung der Untersuchungshaft gestellt, in dem sie der bisherigen Begründung für eine Verwahrung weitere Argumente hinzufügte. Unter anderem hob sie auf die nach wie vor bestehende Fluchtgefahr ab. Der in Israel geborene Aiman O. hat gute Kontakte in die arabische Welt und hat auch schon Verhandlungen über eine Anstellung in einer ägyptischen Klinik geführt. Auch die Göttinger Richter sehen weiterhin Fluchtgefahr, halten den Vollzug der Untersuchungshaft aber nicht mehr für verhältnismäßig. Der Prozess wird im kommenden Jahr fortgesetzt. Ein Urteil wird erst im April erwartet.

Quelle: Organspende-Prozess: Aiman O. darf zu Weihnachten aus dem Gefängnis – Kriminalität – FAZ

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