Organspenden: Das höchste Geschenk

Amtsarzt Dr. Rainer Mainka appelliert an die Bürger, sich nicht zu sehr vom Spendenskandal beeinflussen zu lassen. Ministerium startet Offensive Von Ronald Hummel
„Es wurde keinem Patienten ein Organ unrechtmäßig entnommen, es wurde kein Hirntod falsch diagnostiziert.“Dr. Rainer Mainka zum Spendenskandal

Nördlingen – Fremdes Leben durch eine Organspende zu retten, ist eine sehr persönliche Frage der Mentalität. So gibt es für einen buddhistischen Mönch zu Lebzeiten kein höheres Ziel, als mit einem Teil seines Körpers einen anderen Körper weiterleben zu lassen; die meisten anderen Religionen sprechen sich wie das Christentum auf der Basis der Nächstenliebe dafür aus. In Deutschland steht man Organspenden jedoch skeptisch und ängstlich gegenüber. Der Organspende-Skandal vor einem Jahr schränkte die ohnehin extrem niedrige Spendenbereitschaft erheblich ein. Unabhängig davon fürchten die Menschen hierzulande die Horrorvorstellung, man entnähme ihnen als Totspender Organe, obwohl sie vielleicht noch einmal wieder belebt werden könnten.
Dr. Rainer Mainka, Amtsarzt am Landratsamt Donau-Ries, versucht, diese diffusen Ängste durch Informationen zu nehmen: „Gesetzliche Voraussetzung für eine Organspende ist der Hirntod des Spenders“, so Mainka. Die Richtlinien für den Hirntod seien von der Bundesärztekammer klar festgelegt: Ausnahmslos alle Hirnfunktionen müssten irreversibel ausgefallen sein, das EEG müsse über 30 Minuten ununterbrochen eine Null-Linie anzeigen. Der Patient müsse mit Pupillenstarre in tiefem Koma liegen, alle zentralen Reflexe wie zum Beispiel der Gesichtsnerv-Reflex müssten erloschen sein. Mehrere Ärzte müssen den Hirntod feststellen. Einer von ihnen dürfe weder vom Krankenhaus des Organspenders noch vom Transplantationszentrum abhängig sein, er werde in der Regel von außerhalb hinzugezogen.

Es werde also nach dem derzeitigen Stand der Medizin absolut sicher gewährleistet, dass der Organspender definitiv aus dem Leben geschieden sei. Eine Spende im Wachkoma, in dem noch nicht alle Hirnfunktionen erloschen seien und lediglich das vom Stammhirn abgetrennte Großhirn keine Funktion mehr zeige, sei verboten.
Ein Problem für die Organspenden stellt sich laut Dr. Mainka, wenn der Spender laut Patientenverfügung untersagt, Maschinen zur Lebensverlängerung einzusetzen. Er müsste in der Verfügung einräumen, dass die Maschine nach dem Hirntod läuft, um nach dem Tod die Organe noch funktionsfähig zu erhalten. Würden sie beispielsweise nicht durchgehend mit Sauerstoff versorgt, seien sie nicht mehr für eine Transplantation einsetzbar.
Dr. Mainka appelliert an Mitbürger, die überlegen, ob sie Organspender werden sollen, sich nicht zu sehr vom Spendeskandal beeinflussen zu lassen: „Es wurde keinem Patienten ein Organ unrechtmäßig entnommen, es wurde kein Hirntod falsch diagnostiziert, alle gesetzlichen Vorgaben wurden beim Spender unter Beachtung der Hirntodkriterien eingehalten“, relativiert er die Straftaten. Erwiesen sei, dass Ärzte Patientendaten manipulierten, sodass einzelne Patienten in der Warteliste nach oben rutschten. „Aber hier handelte es sich ebenso um schwerkranke Patienten, die auf ein Spenderorgan angewiesen waren.“
Letztendlich reduziere sich der Skandal auf das Gerangel um die viel zu knappen Spenderorgane. Absurder Weise vergrößere sich das Problem, wenn sich potenzielle Spender durch den Skandal abschrecken lassen. Eine angemessenere Reaktion wäre es laut Mainka, nun erst recht Organe zu spenden, um die Not zu beseitigen, aus der heraus der Skandal entstanden sei.
Vier Spendenangebote für den 30-jährigen Rieser
Ein Fall im Ries, wo sich ein 30-jähriger Nierenkranker schon ins Hospiz begeben hatte, weil er das endlose Warten auf eine Spenderniere nicht mehr ertragen konnte (wir berichteten) zeigt, wie sehr sich Menschen berühren lassen, wenn sie das konkrete Schicksal vor Augen haben: Noch am Tag, als der Bericht in den Rieser Nachrichten erschien, boten drei Rieser an, dem jungen Mann eine Niere zu spenden. Wenige Tage später kam ein viertes Spenderangebot hinzu. Amtsarzt Dr. Mainka erklärt jedoch, dass Lebendspenden aus gesetzlichen Gründen nur unter Verwandten möglich seien. Gleichzeitig betont er, dass dies im demografischen Wandel immer seltener möglich sein werde: „Wenn die Eltern von als Einzelkinder geborenen Nierenpatienten gestorben sind, gibt es niemanden mehr, der lebend spenden kann.“
Im Falle des 30-jährigen Riesers sind Nieren von Verwandten aus medizinischer Sicht nicht zum Spenden geeignet, wie der Mann unserer Zeitung gegenüber angab. Dennoch gab ihm das Mitgefühl seiner Mitmenschen den Lebensmut zurück: Im Hospiz redeten ihm Verwandte und Bekannte derart eindringlich zu, dass er die Dialyse derzeit wieder durchführt.


Das höchste Geschenk – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/noerdlingen/Das-hoechste-Geschenk-id28230367.html

Quelle: Organspenden: Das höchste Geschenk – Nachrichten Nördlingen – Augsburger Allgemeine

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