Organvergabe in Deutschland: Warum Organempfänger in Deutschland schlechte Chancen haben – Gratwanderung – Vergabe von Spende-Organen in Deutschland

Transplantation, Organspende

dpa/Jens Kalaene – Die Zahl der Organspender ist gesunken.

Die schlechte Prognose für deutsche Organempfänger liegt unter anderem am Vergabemodus. Er gewichtet die Dringlichkeit stärker als die Erfolgsaussicht. Aber wie kann man die knappen Organe gerecht verteilen?

Eine ethisch heikle Frage. Die düsteren Daten verstören: Organempfänger haben in Deutschland
nach der Transplantation eine deutlich schlechtere Prognose als in anderen europäischen Ländern. Einer Studie zufolge funktionieren hierzulande ein Jahr nach der Transplantation nur noch 67 Prozent der Lebern. Außerhalb des Acht-Länder-Verbunds Eurotransplant, zu dem Deutschland zählt, liegt die Erfolgsrate bei 83 Prozent – 16 Prozentpunkte höher.

Die Zahlen stammen aus der Collaborative Transplant Study (CTS) – einer seit 1982 bestehenden Datensammlung von Gerhard Opelz, Professor an der Uniklinik Heidelberg. Dort melden mehr als 400 Transplantationszentren aus 45 Ländern ihre Resultate, allerdings auf freiwilliger Basis.

Historischer Tiefpunkt bei Spenderorganen Dennoch hält Eckhard Nagel, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Essen, die Zahlen für relevant. „Die Daten spiegeln eine klare Tendenz wider, die belastbar ist”, sagt der Transplantationschirurg. Bei anderen Organen sieht der Trend ähnlich traurig aus wie bei Lebern: Auch bei postmortal entnommenen Herzen, Lungen und Nieren liegen die Prognosen in Deutschland deutlich unter den Vergleichswerten außerhalb der Eurotransplant-Region.

Hinter den nüchternen Zahlen stecken persönliche Schicksale – Hoffnungen, Ängste, Leid. Bundesweit warten 11 000 Menschen auf ein Organ. Oft vergebens, denn in Deutschland herrscht ein eklatanter Mangel. Die ohnehin niedrige Spendenbereitschaft der Bundesbürger sank nach den  Skandalen an einigen Transplantationszentren, bei denen Mitarbeiter Patientendaten manipuliert hatten, auf einen historischen Tiefpunkt: nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) von 1200 Spendern im Jahr 2011 auf 876 im Jahr 2013, die Zahl der Organe fiel von 3917 auf  3035.

Zahl der Toten auf Warteliste verdoppelt. Die dramatischen Folgen des Mangels erlebte Nagel auch in  einer Klinik: „Im Jahr 2013 starben etwa 80 Menschen von unserer Warteliste – doppelt so viele wie im Jahr zuvor”, sagt er. „Das ist für mich eine kaum zu ertragende Entwicklung.” Doch selbst wenn ein Organ zur Verfügung steht, haben Patienten eine schlechte Prognose, wie die CTS-Daten zeigen. Auch das hat viel mit der Spendenunwilligkeit der Bundesbürger zu tun. Denn um die Not zu lindern, entnehmen Ärzte inzwischen Organe, die sie noch vor einigen Jahren nicht berücksichtigt hätten – etwa wegen des hohen Alters der Spender.

Kriterien für Vergabe widersprechen sich „Wir greifen inzwischen auch auf sogenannte kritische Organe zurück”, sagt Nagel. „Das ist grundsätzlich zwar möglich, aber mit Einschränkungen:
Transplantieren wir einem relativ gesunden Menschen ein solches Organ, kann es sich im Körper erholen. Geben wir es jedoch einem schwerkranken Patienten, ist die Prognose viel schlechter.”

Hier zeigt sich die zweite zentrale Ursache der Misere: der Vergabemodus. Laut Transplantationsgesetz soll sich die Zuteilung nach zwei Kriterien richten – Dringlichkeit und Erfolgsaussicht. Das Problem: Diese Kriterien lassen sich nicht in Einklang bringen, sie widersprechen sich sogar fundamental.

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Ein Kommentar zu “Organvergabe in Deutschland: Warum Organempfänger in Deutschland schlechte Chancen haben – Gratwanderung – Vergabe von Spende-Organen in Deutschland

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