Retter in der Not: Lebendnierenspende auch langfristig nicht riskant

Rund 40 Prozent aller Nierentransplantate stammen mittlerweile von lebenden Spendern. Im Bild: Nierentransplantation in Bremen, wo eine Frau ihrem Ehemann eine Niere spendet. (Bild: Imago)

Nicola von Lutterotti

Erstmals im Jahr 1954 vorgenommen, hat sich die Lebendspende in der

Nierentransplantation inzwischen bewährt. In der Schweiz und anderen

Ländern stammen mittlerweile rund 40 Prozent aller transplantierten

Nieren von lebenden Personen. Viele Spender, aber auch die um deren Wohl

besorgten Ärzte treibt gleichwohl die Frage um, wie gut der Körper den

Verlust einer Niere auf längere Sicht zu verkraften vermag. Laut dem

derzeitigen Kenntnisstand besteht zwar kein Grund zur Sorge. Zumindest

gibt es bis anhin keine Hinweise, dass Lebendspender vorzeitig sterben.

Dennoch bleibt ein gewisses Unbehagen. Denn die bisherigen Studien waren

aufgrund methodischer Schwächen nicht in der Lage, die offenen Fragen

zufriedenstellend zu beantworten.

Entwarnung geben nun allerdings

amerikanische Forscher nach Auswertung der Gesundheitsdaten von mehr als

96 000 lebenden Spendern. ¹

Bei diesen handelte es sich um all jene Männer und Frauen, die in den

USA zwischen 1994 und 2011 eine Niere gespendet hatten. Als Vergleich

diente eine bezüglich Alter und Gesundheit analoge Gruppe von knapp 10

000 Personen, die an einer grossen epidemiologischen Erhebung beteiligt

gewesen waren. Wie Dorry Segev und Abimereki Muzaale von der Abteilung

für Chirurgie der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland, und

Kollegen berichten, erlitten im Verlauf von bis zu 15 Jahren insgesamt

99 Organspender ein dialysepflichtiges Nierenversagen und im

Vergleichskollektiv 7 Personen. Laut ihren Berechnungen folgt daraus,

dass etwa 30 von 10 000 Spendern und 4 von 10 000 ähnlich gesunden

Nicht-Spendern innert 15 Jahren mit dem Verlust ihrer Nierenfunktion

rechnen müssen. In der Allgemeinbevölkerung liegt dieses Risiko

demgegenüber bei 326 von 10 000, ist also merklich höher. Der Grund

hierfür: Viele verbreitete Krankheiten, etwa Diabetes und hoher

Blutdruck, gelten bei der Lebendspende als ein Ausschlusskriterium. Das

heisst, hierfür kommen grundsätzlich nur Personen in Betracht, die sehr

gesund sind und vor allem auch keine potenziell nierenschädigenden

Krankheiten aufweisen.

Laut den Erkenntnissen der amerikanischen

Forscher erkranken Lebendspender andererseits häufiger am Nierenversagen

als ähnlich gesunde Personen der Allgemeinbevölkerung. Insgesamt sei

diese Gefahr allerdings sehr gering, schreiben der kanadische Nephrologe

John Gill von der University of British Columbia in Vancouver und ein

Kollege in einem Editorial. ²

Wie sie ferner einräumen ist auch die Studie der amerikanischen

Forscher, obwohl eine der besten ihrer Art, methodisch nicht hieb- und

stichfest. Zu ihren grössten Schwachstellen zähle, dass die

Vergleichsgruppe aus einer anderen Erhebung stamme als die

Lebendspender. Solche Gegenüberstellungen führten leicht zu einer

Verzerrung der Ergebnisse, schreiben die Nephrologen. Daher lasse sich

auch noch nicht abschliessend beurteilen, ob eine Lebendspende das

Risiko für ein Nierenversagen tatsächlich erhöhe und, falls ja, wie

sehr. Indes gehe aus der Studie klar hervor, dass solche Komplikationen

auch längerfristig nur selten vorkämen. Um etwaige Gesundheitsstörungen

frühzeitig angehen zu können, seien regelmässige Nachuntersuchungen des

Spenders freilich unerlässlich.

Quelle: Retter in der Not: Lebendnierenspende auch langfristig nicht riskant – Übersicht Nachrichten – NZZ.ch

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