Organspende: Herzenssache

Ein Kind hat einen schweren Unfall. Mit einem Schlag stehen die Eltern vor der Frage: Sollen sie die Organe ihrer Tochter spenden? Von Nataly Bleuel ZEIT MAGAZIN NR. 21/201415. MAI 2014, 13:56 UHR

Am 17. Januar 2013 verlässt Franziska Ilzhöfer ihr Elternhaus, sie will zur Schule, es ist 7.30 Uhr und noch dunkel in Berlin-Lichtenrade. Einige Minuten später liegt die 14-Jährige mit schweren Kopfverletzungen am Straßenrand. Ein Auto hat sie erfasst. Der Notarzt kommt. Einen Tag später ist sie tot. Oder zwei? So eindeutig ist das nicht zu sagen. Es gibt für den Zeitpunkt des Todes eine medizinische Definition. Doch das Gefühl sagt mitunter etwas anderes.

Dorit Ilzhöfer, die Mutter, will gerade in ihre Kinderarztpraxis am Rande Berlins fahren, als der Polizist klingelt. Sie lacht ihn an auf ihre fröhliche schwäbische Art und denkt: Unsere Tochter, die Leistungsturnerin, Einserschülerin, dieses wunderbar soziale Mädchen soll was ausgefressen haben? Da liegt Franziska schon im Krankenhaus Neukölln und wird operiert.

In dieser Geschichte wiegt jede Minute schwer und jedes Wort. Schon das Wort Geschichte wirkt unpassend. Immerhin geht es um den Tod eines Kindes. Und es geht um die Fragen: Wann ist der Mensch tot? Und wie kann Abschied gelingen?“Am 18. Januar um 21.15 Uhr bekamen wir die Diagnose Hirntod“, sagt Dorit Ilzhöfer einige Monate später im Wohnzimmer ihres Hauses, „für mich ist sie aber erst am 20. Januar um 0.30 Uhr gestorben.“ Da hört Franziskas Herz auf zu schlagen und ist acht Minuten später auf dem Weg zu einem anderen Menschen.

Fragen, die sich stellen, seitdem es Maschinen gibt, die ein – man muss hier dieses hässliche Wort verwenden – Zeitfenster öffnen können: zwischen dem Gehirn und dem Herzen. Ein Zeitfenster, in dem das Gehirn schon tot ist, aber das Herz noch am Leben gehalten wird: ein Zeitfenster, in dem man Organe entnehmen kann.

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