Organspende: Jennifer kann endlich aufatmen

Eine junge Patientin will nicht mehr warten und bangen. Sie wirbt für eine Organspende-Kampagne und erhält tatsächlich eine Ersatzlunge. Nun genießt sie ihr neues Leben. Denn sie weiß, wie schnell es vorbei sein kann.

Sie hat ihr Gesicht hergegeben und eine neue Lunge dafür bekommen. Es ist jetzt ein gutes halbes Jahr her, da war Jennifer Bras, 27, eine kleine Berühmtheit. Wenn auch eine traurige. In ganz Deutschland war ihr Bild; wie sie dasitzt, einsam und wartend am Gate des Hannoveraner Abflugterminals. Nur sie und dieses schulterhohe Sauerstoffgerät, das sie zum Überleben brauchte. 24 Stunden am Tag. Eine blecherne Maschine als ständiger Begleiter ihres Lebens.

Jennifer Bras gehört zu drei Patienten, die von Februar an mit bewegenden Fotos für Organspenden warben. Die Idee der Kampagne ist so schlicht wie eindringlich: Menschen, die einen lebenswichtigen Körperteil brauchen und seit Jahren nicht bekommen, werden in einer Situation alltäglichen Wartens gezeigt.

Vier Jahre wartet die Patientin auf eine Lungentransplantation

Ihr Leidensgenosse Kevin Kerrutt, 23, der in einer Umhängetasche sein künstliches Herz mit sich führt, ließ sich an einer unwirtlichen Bushaltestelle am Berliner Stadtrand fotografieren. Den nierenkranken 29-jährigen Michael Stapf schob die Werbeagentur mitsamt Blutwäschegerät an ein Gleis des Berliner Bahnhofs Gesundbrunnen.

Stapf und Kerrutt warten noch immer – nicht auf Zug und Bus, sondern auf eine Niere und ein Herz. Jennifer Bras aber erhielt am Abend des 11. Februar den ersehnten Anruf. Nach vier Jahren auf der Liste der Transplantationskandidaten boten ihr die Ärzte eine passende Ersatzlunge an. Kurz nach Mitternacht holte ein Krankenwagen sie von ihrer Wohnung nahe Würzburg ab und brachte sie in die Medizinische Hochschule Hannover. Die Klinik ist Deutschlands erste Adresse für Lungentransplantationen. Im Jahr 2013 fanden dort 141 der bundesweit 371 Verpflanzungen des Atemorgans statt.

Der Routineeingriff schenkt neues Leben

Noch am Nachmittag taten die neuen Lungenflügel bereits ihren Dienst. Sie weiß nichts über den Spender, sagt Bras. Das Gesetz verbietet die Weitergabe seiner Identität. Sicher ist nur, dass er aus einem der acht Länder des Eurotransplant-Raums stammt, der von Kroatien im Südosten bis in die Niederlande im Nordwesten Europas reicht.

„Fünf Wochen nach der Operation merkte ich langsam, dass ich eine neue Lunge habe.“ Für Bras begann ein neues Leben, für die Ärzte war es hingegen „nichts Spektakuläres, ein Routineeingriff“, wie der Hannoveraner Pneumologe Jens Gottlieb, 49, die Verpflanzung klassifiziert. Ein mittelgroßer Schnitt seitlich zwischen zwei Rippen genügt meist, um das defekte Organ durch das neue zu ersetzen.

Ein halbes Jahr nach der Transplantation erreicht die Lunge schon 70 Prozent ihres Solls

Arzt Gottlieb kennt die Krankengeschichte der Jennifer Bras seit Langem. Sie illustriert, wie vergleichsweise einfach Leben zu retten wären, wenn genügend Organe zur Verfügung stünden. Bras leidet an Mukoviszidose, einer unheilbaren, vererbten Stoffwechselkrankheit, die ungefähr eines von 2500 Neugeborenen trifft. Die Drüsen stellen dabei Schleim her, viel zu zähen Schleim. Verklumptes Bronchialsekret behindert die Lunge und führt zu Atemnot. Das Leiden wird schlimmer. Die durchschnittliche Lebenserwartung Mukoviszidosekranker liegt heute bei 35 Jahren. „Früher oder später wird nahezu jeder dieser Patienten zu einem Transplantationskandidaten“, erklärt Gottlieb. Eine künstliche Lunge, die ähnlich einem modernen Herzunterstützungssystem ein halbwegs handlicher Alltagsbegleiter sein könnte, ist nun mal noch nicht erfunden.

Ein knappes halbes Jahr nach dem Eingriff und einer dreiwöchigen Rehabilitation ist Jennifer Bras‘ neue Lunge noch dabei, sich „zu entfalten“, so Gottlieb. Der Mediziner sieht das an Tests – die Lunge erreicht 70 Prozent des Leistungssolls, ein guter Wert. Außerdem wiegt die krankheitsbedingt extrem zierliche Frau immerhin schon 46 Kilogramm.

Quelle: Organspende: Jennifer kann endlich aufatmen – Organspende: Jennifer kann endlich aufatmen – FOCUS Online – Nachrichten.

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