Stellungnahme der DGfN zu den Artikeln „Operation fatal“ und „Geben und Nehmen“ in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 25.07.2014

Die „Süddeutsche Zeitung“ schildert in zwei Artikeln tragische Fälle der Lebendnierenspende. Wie im Artikel „Geben und Nehmen“ geschildert, verlor ein Organspender seine Nierenfunktion und ist nun selbst auf eine Nierenersatztherapie angewiesen. Beim Fall, den der andere Artikel darstellt, kam es zum Tod eines Lebendtransplantatempfängers. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) kann sich ohne genauere Kenntnis der Fakten nicht zu den Fällen äußern, möchte aber der im Untertitel des Artikels „Operation fatal“ erhobenen, pauschalen Behauptung „Mediziner gehen immer höhere Risiken bei der Organspende von Lebenden ein“ vehement widersprechen.

Lebendnierenspender werden vor der Nierenspende genau untersucht. Leitlinien definieren Kontraindikationen, die gegen eine Nierenspende sprechen. Nur gesunde, stabile Personen dürfen zur Nierenspende zugelassen werden. Lebendnierenspender müssen als Voraussetzung zwei normal funktionierende Nieren haben und an keiner Erkrankung leiden, die einer Nierenspende entgegensteht.

Lebendnierenspende hat eine sehr gute Erfolgsquote, doch das Risiko für den Spender ist nicht gleich Null
Jeder Fall einer Lebendspende wird durch mehrere Mediziner und von der Ethikkommission geprüft. Der Gesetzgeber hat 1997 mit dem Transplantationsgesetz den rechtlichen Rahmen für die Lebendspende geschaffen. Dadurch wird sichergestellt, dass sie nur auf freiwilliger Basis, ohne finanzielle Interessen und mit möglichst geringem medizinischem Risiko für den Spender erfolgt. Lebendnierentransplantationen weisen auch eine sehr gute Erfolgsquote auf. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate ist mit etwa 85% besser als nach einer Transplantation einer Niere von einem verstorbenen Spender.

Hinsichtlich eines möglichen Risikos für den Lebendnierenspender ist die Auswahl der Vergleichsgruppe bedeutsam: Es ist unstrittig, dass Lebendnierenspender im Vergleich zur altersgleichen Normalbevölkerung ein längeres Überleben und ein niedrigeres Risiko für das Auftreten einer Dialysepflichtigkeit aufweisen. Wählt man allerdings nur die „allergesündesten“ Kontrollpersonen aus, dann weisen Lebendnierenspender im Vergleich zu ihnen ein in absoluten Zahlen leicht erhöhtes Risiko auf, selbst einmal dialysepflichtig zu werden, haben aber in der Regel kein erhöhtes Risiko, vorzeitig zu versterben. So die aktuellen Ergebnisse der internationalen Studienlage, über die der Spender umfassend aufgeklärt werden sollte.

Die DGfN fordert seit geraumer Zeit ein Transplantationsregister, damit auch die Zahlen und Ergebnisse rund um die Transplantation in Deutschland endlich belegbar, einsehbar und valide sind.  

Postmortale Organspende muss gestärkt werden!
Um ein solches Register einzufordern, ist die DGfN derzeit gemeinsam mit der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG) und dem Bundesverband Niere e.V. damit befasst, eine „Initiative Nierentransplantation“ ins Leben zu rufen. Ein weiteres, zentrales Ziel der Initiative – gerade auch im Hinblick möglicher Risiken der Lebendnierentransplantation für den Spender – wird die Stärkung der postmortalen Organspende sein. Denn dieOrganspendebereitschaft ist nun auf ein historisches Tief gesunken – und bereits zuvor war die Situation prekär: Laut Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) warten derzeit rund 8.000 Dialysepatienten in Deutschland auf eine Nierentransplantation. Im Jahr 2013 wurden 2.272 Patientinnen und Patienten transplantiert. Bei 725 Transplantationen handelte es sich um eine Lebendnierentransplantation.

Lebendspende ist für viele Patienten oft die einzige Chance
Eines muss klar sein: Diese 725 Menschen haben 2013 nicht aus „Risikofreude“ das Organ eines nahen Verwandten oder Ehepartners erhalten, sondern weil viel zu wenig postmortale Organe zur Verfügung stehen und die Ergebnisse der Lebendnierentransplantation gemäß der bestehenden Datenlage sehr gut sind!
In der jetzigen Situation stellt die Lebendspende für viele Nierenkranke oft die einzige Chance auf ein Organ dar, denn Patienten warten durchschnittlich 5-7 Jahre auf das Organ eines postmortalen Spenders (viele auch deutlich länger – und die Wartezeit steigt wegen der abnehmenden Organspendebereitschaft der Bevölkerung weiter an!). Viele verlieren während dieser langen Wartezeit die Transplantierbarkeit, einige auch ihr Leben.

Quelle: DGfN Das Nierenportal : Stellungnahme zu den Artikeln „Operation fatal“ und „Geben und Nehmen“ in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 25.07.2014.

Siehe auch weitere Beiträge zu Transplantationsregister

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