Die Deutschlandfunk – Presseschau zur Selbstanzeige des DHZB

Themen sind heute der mutmaßliche Organspende-Skandal in Berlin, der russische Hilfskonvoi und der Krieg im Irak. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG schreibt zum ersten Thema:

„Optimisten sehen in dem mutmaßlichen Berliner Fall den Beweis dafür, dass die neuen, nach dem Organspendeskandal von 2012 geschaffenen Kontrollmechanismen funktionieren. Die damals eingesetzte Prüfkommission soll mit ihrer Arbeit dafür gesorgt haben, dass die Berliner Klinik Selbstanzeige gestellt hat. Realisten aber wissen: Jede weitere negative Nachricht aus dem Sumpf der deutschen Transplantationsmedizin, jeder neue Skandal, der ans Licht kommt – und es wird sie weiter geben, wie die Erfahrung zeigt -, wird nicht etwa die kriminellen Machenschaften der Ärzte unterbinden. Vielmehr wird sich der Mangel an Spenderorganen noch verstärken“,

vermutet die F.A.Z.

Die Zeitung DIE WELT meint:

„Die Motive der Ärzte sind vielfältig: Eine besondere Bindung zu ihren Patienten mag genauso eine Rolle spielen wie der überzogene Ehrgeiz, möglichst viele Transplantationen ins eigene Haus zu ziehen und damit an Renommee zu gewinnen. Und auch an Vergütung. Doch der Effekt dieser Straftaten geht genau in die entgegengesetzte Richtung: Seit Bekanntwerden der Skandale ist die Bereitschaft zur Organspende abgestürzt. Die Zahl der Spender sinkt von Monat zu Monat auf neue Rekordtiefstände. Alle Bemühungen der Krankenkassen und der Politik, mehr Organspendeausweise mit einem Kreuzchen beim Ja unters Volk zu bringen, haben gegen die Wucht neuer Verdachtsfälle keine Chance“,

bemerkt die WELT.

„Das wird Leben kosten“,

glaubt auch die THÜRINGISCHE LANDESZEITUNG aus Weimar.

„Leben von Menschen, die hoffen, dass sich doch noch einer findet, der rechtzeitig daran gedacht hat, für die Verwendung seiner sterblichen Überreste zu sorgen. Es ist zum Verzweifeln. Schon allein der jetzt bekanntgewordene Verdacht, dass bei der Organspende gemauschelt wurde, sorgt dafür, dass erneut weniger Menschen zur Spende bereit sind.“

Der NORDKURIER aus Neubrandenburg blickt zurück:

„Allein in den vergangenen zwei Jahren gab es acht Organspende-Skandale in Deutschland. Eine unglaublich hohe Zahl innerhalb kürzester Zeit. Jeder einzelne Fall lässt das Vertrauen in die lebenswichtige Transplantationsmedizin auf ein Minimum schrumpfen. Da helfen auch keine teuren PR-Aktionen mit Prominenten oder gar Ministern. Das Bild einer undurchschaubaren, zwielichtigen Branche, in der gemauschelt, geschoben und getrickst wird, bleibt eher in den Köpfen haften. Die Mediziner selbst haben es in der Hand, das zu korrigieren – oder, wie im aktuellen Fall, den Verdacht erst noch zu erhärten. Leider tragen sie das böse, unverantwortliche Spiel auf Kosten Hilfloser und Sterbenskranker aus“,

bemängelt der NORDKURIER.

Die SÜDWEST-PRESSE aus Ulm sieht es so:

„Wer sich bereiterklärt, Organe zu spenden, muss auch sicher sein, dass dieses Verfahren lückenlos überprüft wird. Es muss jetzt in unabhängige Hände gelegt werden. Ärztekammern, Krankenhausträgern und Krankenkassen fehlt als Beteiligten die notwendige Distanz.“

Die STUTTGARTER ZEITUNG kommentiert:

„Es wäre grundfalsch, angesichts des jüngsten Organspendeskandals in Berlin zu schlussfolgern, die Manipulationen nähmen kein Ende. Genau das Gegenteil ist der Fall. Denn erstens haben schon in der Vergangenheit die allermeisten korrekt gearbeitet. Das ergab jedenfalls eine Überprüfung der Bundesärztekammer. Und zweitens zeigt der aktuelle Fall, dass die 2012 verschärften Regeln und Kontrollen offenbar wirken. Die möglichen Schummeleien wurden entdeckt, die Aufklärung läuft“,

heißt es in der STUTTGARTER ZEITUNG.

„Viele Deutsche sehen bei Organspenden inzwischen nur noch kriminelle Machenschaften am Werk“,

beklagt die NEUE PRESSE aus Hannover.

„Das wird den Ärzten nicht gerecht. In die Notlage, plötzlich eine Leber oder ein Herz zu benötigen, kann jeder kommen. Morgen oder auch erst in zwei Jahren. An eine selbstherrliche Ärztin in Berlin werden dann die wenigsten Patienten denken. Dann zählt nur die Hoffnung, dass irgendwo das passende Spenderorgan auftaucht. Die Transplantationsmedizin ist eine Errungenschaft, die man sich nicht von Kriminellen kaputtmachen lassen sollte“,

hält die NEUE PRESSE fest.

Quelle: Deutschlandfunk – Hören Sie die Presseschau als MP3

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s