Transplantationsmedizin – Organspende als „lernendes System“ etablieren

Präsident der Berliner Ärztekammer Jonitz plädiert für Reform. Das Interview als mp3-file von Deutschlandradio Kultur.

Seit bekannt wurde, dass Transplantationsmediziner Wartelisten manipulierten, um eigene Patienten zu bevorzugen, hat die Bereitschaft zur Organspende in Deutschland dramatisch abgenommen. Experten wie der Präsident der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz, plädieren deswegen dafür, das System zu reformieren.

Der Präsident der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz, hat seine Forderung bekräftigt, neu über die Kriterien der Vergabe von Spenderorganen nachzudenken.

Im Deutschlandradio Kultur sagte Jonitz, laut Gesetz sollten Organe nach den Kriterien Erfolgswahrscheinlichkeit und Dringlichkeit vergeben werden. Diese beiden Ziele ständen aber im Konflikt miteinander.

Momentan werde in Deutschland vor allem nach dem Kriterium der Dringlichkeit gearbeitet, sagte Jonitz. So seien in der Vergangenheit rund 80 Prozent aller Patienten, die ein neues Herz bekommen hätten, unter die höchste Dringlichkeitsstufe gefallen.

Das führe aber unter anderem dazu, dass Patienten ihre Ärzte fragten, wann es ihnen endlich schlecht genug gehe, um ein Spenderorgan zu bekommen. „Das ist (…) in hohem Maße grausam“, sagte Jonitz.

Bei der Organvergabe wird es niemals ein perfektes System geben

Der Arzt betonte, bei der Organvergabe werde es kein perfektes System geben. Es werde immer möglich sein, das System mit krimineller Energie zu unterlaufen. Man könne nur darauf achten, dass die Grauzone so klein wie möglich sei.

Nötig sei vor allem ein „lernendes System“, so Jonitz: Man müsse wesentlich genauer hingucken, was aus den Patienten geworden sei, die ein Organ bekommen hätten – und auch was aus denjenigen geworden sei, die keines erhalten hätten.

Jonitz plädierte zudem dafür, eine regionale Vergabe von Spenderorgangen einzuführen, um die Spendenbereitschaft zu erhöhen. Das derzeitige System sei in hohem Maß anonym. Transplantationsmedizin sei aber genau das Gegenteil von anonym und sehr emotional. Außerdem sei es auch medizinisch sinnvoll, die Transportwege zu verkürzen.

WEITERFÜHRENDE INFORMATION

Medizin – Organspende in der Vertrauenskrise
(Deutschlandradio Kultur, Im Gespräch, 11.10.2014)

Organspende – „Wir brauchen eine staatliche Aufsicht“
(Deutschlandfunk, Interview, 01.10.2014)

Schwerpunktthema – Organspende und Transplantationsmedizin
(Deutschlandfunk, Sprechstunde, 01.04.2014)

Organspende auf dem Prüfstand – „Die Transplantationsmedizin muss ersetzt werden“
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 29.03.2014)

Quelle: Deutschlandradio Kultur.

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