Göttingen stellt Lebertransplantationen ein

Während im Organspende-Skandal noch immer der Prozess gegen einen Göttinger Arzt läuft, gab das Universitätsklinikum jetzt bekannt, dass es ab dem kommenden Jahr keine Lebertransplantationen mehr vornehmen will. „Das ist ein klares Zeichen für einen Schnitt mit den Geschehnissen im Rahmen der Lebertransplantation der letzten Jahre in Göttingen“, so die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG). Ihrer Einschätzung nach sei das der richtige Schritt für einen Vertrauensrückgewinn am Klinikum und für die Transplantationsmedizin generell. Ein Sprecher der Uniklinik Göttingen gab dagegen an, die Entscheidung hätte mit dem Organspende-Skandal und dem Gerichtsprozess nichts zu tun.

In der Uni-Klinik Göttingen sollen ab 2015 keine Lebern mehr transplantiert werden. (Themenbild) © dpa Fotograf: Julian Stratenschulte

Herztransplantationen soll es weiterhin geben

Statt der Lebertransplantationen solle in Zukunft der onkologische Schwerpunkt der Klinik weiter ausgebaut werden, erklärte Vorstandssprecher Professor Heyo Kroemer. Patienten, die eine neue Leber benötigen, sollen an vier kooperierende Transplantationszentren vermittelt werden. In Niedersachen werden Lebertransplantationen dann nur noch an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) vorgenommen, je nach Wohnort kommen auch die Unikliniken Jena, Bonn und Frankfurt in Frage. Herztransplantationen sollen im Universitätsklinikum Göttingen aber auch weiterhin durchgeführt werden.

Früherer Chef der Transplantationsmedizin vor Gericht

Nach wie vor muss sich der frühere Chef der Göttinger Transplantationsmedizin vor Gericht verantworten. Er soll durch manipulierte medizinische Daten Patienten vorzeitig zu einer Spenderleber verholfen und damit den Tod anderer schwer kranker Menschen in Kauf genommen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag in elf Fällen vor. Außerdem soll er Patienten ohne ausreichenden medizinischen Grund Lebern übertragen haben. Einige der betroffenen Patienten waren später gestorben. Noch ist unklar, wann das Gericht ein Urteil fällt.

Zahlen seit Jahren rückläufig

Kritiker bemängeln bereits seit längerem, dass es in Deutschland zu viele Transplantationszentren gebe. Wegen der geringen Fallzahlen sei es sowohl aus medizinischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoller, die Transplantationen auf einige Zentren zu konzentrieren. Im Vergleich zur MHH hat das Universitätsklinikum Göttingen deutlich weniger Lebertransplantationen aufzuweisen. In diesem Jahr erhielten dort bislang zehn Patienten eine neue Leber, 2013 waren es 16. An der MHH wurden im vergangenen Jahr dagegen in 63 Fällen Lebern transplantiert. Auch dort sind die Zahlen seit Jahren rückläufig. „Wir hätten also Kapazitäten, das aufzufangen“, sagte MHH-Sprecher Stefan Zorn. „Es fehlen allerdings die Spender.“

Quelle: NDR.de – Nachrichten

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