Filmemacher gibt dem Thema Organspende ein Gesicht

Herdecke.  Preise und Anerkennung hat der Herdecker Erik Jäger für seinen Film „Der vermeidbare Tod“ schon reichlich bekommen. Aber das reicht ihm nicht. Er will Menschen bewegen, sich mit dem Thema Organspende auseinander zu setzen.

Erik Jäger hat nach dem Tod seiner Frau einen Film zum Thema Organspende gemacht. Foto: Susanne Schlenga

Erik Jäger hat Preise bekommen, Anerkennung für seinen Film „Der vermeidbare Tod“. Beim Westfälischen Landesfilmfestival, beim Bundesfilmfestival. Sein Film war nominiert für die Deutschen Filmfestspiele, auf denen die besten nicht kommerziellen Filme Deutschlands zu sehen sind. Doch Erik Jäger will mehr. Der Herdecker Filmemacher möchte Menschen bewegen, über das Thema Organspende nachzudenken. Indem er sie an seinem eigenen Schicksal teil haben lässt.

Dank der DSO
Ich treffe Erik Jäger auf dem Waldfriedhof. Es ist ein schöner Tag, es ist ein schöner Ort ,und es ist die Kulisse für Jägers Film. Hier hat sich der Herdecker auf eine Bank gesetzt und einen Brief vorgelesen. Den Dankesbrief der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). „Wir möchten Ihnen für Ihre Bereitschaft, einer Organspende Ihrer verstorbenen Ehefrau zuzustimmen, danken und Ihnen unser Mitgefühl aussprechen.“ Ein Satz, der nichts darüber sagt, was wirklich passiert ist. Dass Jägers Ehefrau „mitten aus dem Leben gerissen wurde“, wie er erzählt. Dann beschreibt er seine Frau, wie lebendig, aktiv und jung sie gewesen sei. Mit Tränen in den Augen.

Vier Organempfänger
Im Brief geht es um ihren Tod. Doch es geht auch um das Leben. Das Leben für vier Patienten, die mit den Organen der 58-Jährigen dem Tod entkommen. Herz und Lunge bekommt eine 55-Jährige, die Leber ein Patient, der schon Jahre wegen einer Tumorerkrankung auf ein Organ wartete. Die Nieren machen zwei Patienten unabhängig von der Dialyse. „Nichts, wirklich nichts in der Zeit nach dem Tod hat mich so bewegt, wie dieser Brief“, sagt Erik Jäger.

Jäger und seine Frau hatten sich lange zuvor für Organspende entschieden, hatten eine Patientenverfügung unterschrieben. Sie haben sich dem Thema Tod gestellt und damit Leben gerettet. „Es ist fahrlässig, so etwas nicht zu tun“, sagt Jäger heute. 1400 Menschen würden in Deutschland im Jahr sterben, weil immer weniger Organe gespendet werden. Ein Grund für die zunehmende Zurückhaltung ist der so genannte Organspendeskandal. Ein Skandal, der aus Sicht von Erik Jäger besser als Manipulation der Wartelisten bezeichnet werden sollte. „Denn der eigentliche Skandal ist, dass wir Wartelisten haben.“ Enttäuscht ist er vor diesem Hintergrund von der Politik. „Unser Gesetzgeber hat leider die wirklich historische Chance verpasst, durch eine Widerspruchsregelung dazu beizutragen, dass Organspende zur Regel und nicht mehr zur Ausnahme wird“, sagt Jäger. Und: „Jeder, der das nicht will, hätte widersprechen können.“

Die Frage nach dem Warum
Die Diskussion über die Organspende, die Zahlen, die immer wieder ins Feld geführt werden, die Theorie – all das ist für Erik Jäger zu wenig, um Menschen zu bewegen. Der IT-Ingenieur, der seine Leidenschaft für den Film vor allem auf Reisen auslebt, versucht darum, mit Hilfe seines Mediums zu berühren. Jäger gibt dem Thema ein Gesicht. Baut eine emotionale Brücke zu einer rationalen Entscheidung. „Ich habe nach dem Tod meiner Frau natürlich die Frage nach dem Warum gestellt“, sagt der 59-Jährige. Eine Frage, auf die es für ihn keine Antwort gibt. Doch gibt es Frage, die über das Warum hinaus geht. „Was ist der Sinn?“ Erik Jäger hat dem Tod seiner Frau einen Sinn gegeben. Er ist zum Botschafter für ein Thema geworden, das noch zu wenig gehört wird.

Susanne Schlenga

Quelle: WAZ.de

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