Tausende Patienten nicht für Nierentransplantation gemeldet?

Bereits am  12.04.2016 sendet FAKT exklusiv einen Beitrag mit dem Titel „Nach Transplantationsskandal neue Systemlücke aufgetaucht„. In diesem Beitrag werden zwei Dialyseärzte aus NRW beschuldigt, aus Profitstreben über Jahre Dialysepatienten nicht zur Transplantation angemeldet zu haben. Mehrere Dialysepatienten haben dies der Staatsanwaltschaft Dortmund zur Anzeige gebracht.

Die beschuldigten Dialyseärzte gebrauchten gegenüber den Patienten das Argument, man müsse erst einige Jahre an der Dialyse sein, bevor man zur Transplantation angemeldet werden könne.

Richtig aber ist:

  1. Das Transplantationsgesetz schreibt aber in § 13 3) eindeutig vor: „Der behandelnde Arzt hat Patienten, bei denen die Übertragung vermittlungspflichtiger Organe medizinisch angezeigt ist, mit deren schriftlicher Einwilligung unverzüglich an das Transplantationszentrum zu melden, in dem die Organübertragung vorgenommen werden soll. Die Meldung hat auch dann zu erfolgen, wenn eine Ersatztherapie durchgeführt wird.“
  2. Die Wartezeit beginnt mit dem ersten Tag der Dialyse. Die Wartezeit wird in Tagen berechnet und in einer Punktzahl ausgedrückt.

Weder der GKV-Spitzenverband, der die zentrale Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen ist, noch die für die beiden Ärzte zuständige Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe können Rückschlüsse auf Anmeldungen von Patienten zur Transplantation bzw. deren Aufnahme auf die Warteliste ziehen. Seit dem FAKT-Beitrag vom 12.04.16 fordert die Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) nun ein Dialyseregister.

In einem weiteren Fernsehbeitrag beschäftigt sich FAKT am 10.05.2016 erneut mit dieser „Lücke im System“ und macht darauf aufmerksam, dass es in Deutschland nur Schätzungen über die Zahl der Dialysepatienten gibt. Etwa 80.000  Dialyse-Patienten vermutet die DGfN. Doch nur etwa 12.000 (aktive = transplantable und temporär nicht transplantable) von ihnen stehen überhaupt auf der Warteliste für eine Niere. Das sind rund 15 Prozent.

„Mehr als doppelt so viele könnten auf der Transplantationsliste stehen“ sagt Thomas Philipp, ehem. Leiter des Transplantationszentrums Essen, und erklärt die Notwendigkeit einer Dialysedatenbank und fordert einen anderen Umgang mit der Transplantationsliste in einem FAKT Interview.

Ende 2015 waren 7781 Patienten aus Deutschland bei Eurotransplant aktiv = transplantabel auf der Warteliste gemeldet.

kidneyendof2015

Die durchschnittliche Wartezeit auf eine Nierentransplantation für einen Patienten in Deutschland beträgt etwa fünf bis zehn Jahre, so jedenfalls ist dies auf dem Nierenportal der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) nachzulesen. Mehr statistische Informationen zu Nierenpatienten ist über diesen Link zu finden: http://statistics.eurotransplant.org/

Im Jahre 2015 wurden bei Eurotransplant 2646 Dialysepatienten aus Deutschland bei Eurotransplant neu registriert und 429 erneut (nach Transplantatversagen) registriert.

waitinglistregistration2015

 

 

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