This Organ Donor Married The Woman He Gave His Liver To

In March 2014, Illinois woman Heather Krueger was diagnosed with stage 4 liver disease. Doctors told her she would live just a few more months unless she found a donor. „I was told I had less than a 50 percent chance of living more than two months,“ Krueger told ABC about her experience. „It was traumatic.

Quelle: Donate Life Organ and Tissue Donation Blog℠: This Organ Donor Married The Woman He Gave His Liver To

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Göttingen stellt Lebertransplantationen ein

Während im Organspende-Skandal noch immer der Prozess gegen einen Göttinger Arzt läuft, gab das Universitätsklinikum jetzt bekannt, dass es ab dem kommenden Jahr keine Lebertransplantationen mehr vornehmen will. „Das ist ein klares Zeichen für einen Schnitt mit den Geschehnissen im Rahmen der Lebertransplantation der letzten Jahre in Göttingen“, so die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG). Ihrer Einschätzung nach sei das der richtige Schritt für einen Vertrauensrückgewinn am Klinikum und für die Transplantationsmedizin generell. Ein Sprecher der Uniklinik Göttingen gab dagegen an, die Entscheidung hätte mit dem Organspende-Skandal und dem Gerichtsprozess nichts zu tun.

In der Uni-Klinik Göttingen sollen ab 2015 keine Lebern mehr transplantiert werden. (Themenbild) © dpa Fotograf: Julian Stratenschulte

Herztransplantationen soll es weiterhin geben

Statt der Lebertransplantationen solle in Zukunft der onkologische Schwerpunkt der Klinik weiter ausgebaut werden, erklärte Vorstandssprecher Professor Heyo Kroemer. Patienten, die eine neue Leber benötigen, sollen an vier kooperierende Transplantationszentren vermittelt werden. In Niedersachen werden Lebertransplantationen dann nur noch an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) vorgenommen, je nach Wohnort kommen auch die Unikliniken Jena, Bonn und Frankfurt in Frage. Herztransplantationen sollen im Universitätsklinikum Göttingen aber auch weiterhin durchgeführt werden.

Früherer Chef der Transplantationsmedizin vor Gericht

Nach wie vor muss sich der frühere Chef der Göttinger Transplantationsmedizin vor Gericht verantworten. Er soll durch manipulierte medizinische Daten Patienten vorzeitig zu einer Spenderleber verholfen und damit den Tod anderer schwer kranker Menschen in Kauf genommen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag in elf Fällen vor. Außerdem soll er Patienten ohne ausreichenden medizinischen Grund Lebern übertragen haben. Einige der betroffenen Patienten waren später gestorben. Noch ist unklar, wann das Gericht ein Urteil fällt.

Zahlen seit Jahren rückläufig

Kritiker bemängeln bereits seit längerem, dass es in Deutschland zu viele Transplantationszentren gebe. Wegen der geringen Fallzahlen sei es sowohl aus medizinischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoller, die Transplantationen auf einige Zentren zu konzentrieren. Im Vergleich zur MHH hat das Universitätsklinikum Göttingen deutlich weniger Lebertransplantationen aufzuweisen. In diesem Jahr erhielten dort bislang zehn Patienten eine neue Leber, 2013 waren es 16. An der MHH wurden im vergangenen Jahr dagegen in 63 Fällen Lebern transplantiert. Auch dort sind die Zahlen seit Jahren rückläufig. „Wir hätten also Kapazitäten, das aufzufangen“, sagte MHH-Sprecher Stefan Zorn. „Es fehlen allerdings die Spender.“

Quelle: NDR.de – Nachrichten

Kontaktgruppe Lebertransplantierter: Betroffene halten zusammen

Seit 20 Jahren gibt es die Kontaktgruppe Lebertransplantierter Ludwigsburg-Bietigheim. Der Gründer, der Bissinger Josef Theiss, erklärt, was die Mitglieder zusammenschweißt.

Foto: Josef Theiss Gruppenfoto zum 20-jährigen Bestehen der Kontaktgruppe Ludwigsburg-Bietigheim Lebertransplantierter auf dem Michaelsberg. Mitte: Josef Theiss.

„20 Jahre sind für Menschen, deren Leben durch eine unheilbare Krankheit am Ende zu sein schien, eine sehr lange neu geschenkte Lebenszeit“, weiß der Bissinger Josef Theiss aus eigener Erfahrung. Der Vorsitzende der Kontaktgruppe Lebertransplantierter Ludwigsburg-Bietigheim ist selbst durch eine Organtransplantation gerettet worden. Die Kontaktgruppe, die der heute 74-Jährige vor zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen hatte, feierte in diesen Tagen ihr Jubiläum. Weiterlesen

Streit um Organe für Alkoholiker – Was wirklich hinter dem Transplantationsskandal steckt!

Streit um Organe für Alkoholiker – Was wirklich hinter dem Transplantationsskandal steckt!
Beitrag vom 18.09.2014 | 09:34 min | in der Mediathek. Verfügbar bis 18.09.2015 | Rundfunk Berlin-Brandenburg

Der Transplantationsskandal hat Schlagzeilen gemacht: Skrupellose und korrupte Ärzte, so die Vermutung. Staatsanwälte ermitteln wegen fahrlässiger Tötung. Organspenden gingen drastisch zurück. Doch hinter den Schlagzeilen steckt ein ethischer Grundkonflikt: Unter welchen Voraussetzungen haben Alkoholiker Anspruch auf eine Lebertransplantation? Weiterlesen

Göttinger Prozess: Unvalidierte Labordaten für Eurotransplant

Im Göttinger Transplantationsprozess wird die Manipulation von Patientendaten aufgeklärt. Der Fall einer Patientin erregt dabei besondere Aufmerksamkeit.

GÖTTINGEN. Im Prozess um den Transplantationsskandal in der Göttinger Universitätsmedizin (UMG) geht das Landgericht der Frage nach, ob und wie manipulierte Patientendaten an Eurotransplant übermittelt wurden. Dazu hat die Kammer vergangenen Montag eine leitende MTA aus dem UMG-Labor als Zeugin geladen. Sie schilderte den Untersuchungsablauf. Um die Geräte zu bedienen, müssen sich MTA mit Kürzel und Passwort anmelden. Die Analysegeräte ordnen die Untersuchungsergebnisse automatisch dem jeweiligen Patienten zu und speisen sie in die EDV ein. Labormitarbeiter prüfen, ob die Messungen technisch einwandfrei waren, und leiten dann die Werte an die Station des Patienten weiter. Nach Validierung erfolgt Freigabe

Diese Werte müssten aber noch validiert werden. Dazu würden alle Messwerte eines Patienten zusammengeführt und auf Plausibilität überprüft. Erst nach dieser Validierung würden die Daten endgültig freigegeben. Bei einer Patientin, bei der es nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zu Manipulationen gekommen war, waren die vorläufigen Messwerte drei Stunden in der „Zwischenfreigabe“ im Datensystem sichtbar gewesen, ehe sie überschrieben wurden.

Zuvor waren bei der Plausibilitätsprüfung der Labormediziner Zweifel an auffällig hohen Gerinnungswerten aufgekommen. Eine zweite Analyse ergab deutlich niedrigere Werte.

Laut Anklage waren jedoch die ersten unvalidierten Werte bereits an Eurotransplant gemeldet worden, ohne sie später zu korrigieren. Die Patientin sei dadurch auf der Warteliste für eine Spenderleber vorgerückt. (pid)

Quelle: Ärzteblatt

Freue mich sehr darüber, was ich über Münster höre!

Mit falschen Angaben sollen Transplantationsmediziner an der Uni-Klinik Münster Patienten auf der Warteliste einen Vorteil verschafft haben. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen in dem Fall nun eingestellt – sie sieht keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Vorwürfe.

Münster – Mehrdeutige Richtlinien und versehentliche Fehleinträge sind dafür verantwortlich, dass Patientendaten für Lebertransplantationen an der Uni-Klinik Münster falsch übermittelt wurden. Davon geht die Staatsanwaltschaft Münster aus. Sie sieht aber keinen Transplantationsskandal – und hat deshalb ihre Ermittlungen wegen möglicher Manipulationen bei der Vergabe der Spenderorgane eingestellt.

Den Verantwortlichen des Transplantationszentrums der Klinik seien keine strafrechtlichen Vorwürfe zu machen, teilte die Behörde mit. Zwar seien Patientendaten fehlerhaft übermittelt worden. Ein Vorsatz sei aber nicht nachweisbar. Ob es durch die Falschmeldungen zu einer Transplantation gekommen sei, könne man nicht sagen, sagte Oberstaatsanwalt Heribert Beck.

Auslöser der Ermittlungen war im September 2013 ein Bericht der Prüf- und Überwachungskommission der Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen. Die Prüfer hatten den Vorwurf erhoben, dank falscher Angaben seien Patienten auf der Warteliste für eine Organ-Übertragung vorgerückt.

Die Uni-Klinik begrüßte die entlasende Entscheidung der Ermittler nun. „Wir sind über dieses Ergebnis sehr froh, da es unsere internen Untersuchungsergebnisse sowie unsere Einschätzungen bestätigt“, teilte der ärztliche Direktor der Klinik, Norbert Roeder, mit.

Die Kommission hatte in Münster wie auch andernorts „systematische Regelverstöße“ konstatiert. Insgesamt überprüften sie rund 1200 Krankenakten aus den Jahren 2010 und 2011. In Münster wurden 67 Fälle geprüft und 25 Regelverstöße gefunden.

2012 waren an mehreren Transplantationszentren zahlreiche Manipulationen von Patientendaten aufgefallen. Die Patienten waren kränker gemacht worden, um schneller an ein rettendes Spenderorgan zu kommen. In einigen Fällen wurde auch die vorgeschriebene Alkoholkarenz von sechs Monaten nicht eingehalten.

ulz/dpa

Quelle: Lebertransplantationen: Ende der Ermittlungen an Münsteraner Uniklinik – SPIEGEL ONLINE.

Organspende: Extreme Kühlung vervielfacht Haltbarkeit

Transplantationen: Extreme Kühlung vervielfacht Haltbarkeit von Spenderlebern

DSO/ Johannes Rey Implantierte Organe: „Je länger wir sie lagern können, desto größer die Chance“

Spenderorgane sind weltweit knapp, Hundertausende Menschen warten auf eine rettende Transplantation. Ein großes Problem liegt in der kurzen Haltbarkeit der Körperspenden. US-Mediziner haben nun ein eues Verfahren entwickelt – es könnte die Lagerfähigkeit drastisch verlängern.

Mit einer ausgeklügelten, auf extremer Kühlung basierenden Methode wollen US-Mediziner die Lagerfähigkeit von Spenderorganen in Zukunft drastisch verlängern. In ersten Tests konservierten sie Lebern vier Tage lang – allerdings bislang nur bei Ratten.

Sollte sich der Erfolg auf den Menschen übertragen lassen, könnte dies den Organmangel etwas entschärfen, schreiben die Forscher um Korkut Uygun von der Harvard Medical School in Boston in der Zeitschrift „Nature Medicine“.Weltweit warten Hunderttausende Menschen auf ein Spenderorgan. Neben dem Mangel an Spendern liegt ein Problem auch in der kurzen Haltbarkeit. Seit den 1980er Jahren kühlt man Organe bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Lösungen, die den Stoffwechsel drosseln. So könne man Spenderlebern bis zu zwölf Stunden erhalten, schreiben die Forscher. Ließe sich diese Zeit ausdehnen, könnten Empfänger aus einem größeren Umkreis ausgewählt und besser auf die Operation vorbereitet werden. Allerdings birgt das Kühlen von Organen etliche Risiken, von der Eisbildung bis zur Schädigung von Zellen.

Die Mediziner testeten nun an Ratten ein Verfahren, das die Konservierung von Lebern deutlich ausdehnt. Dabei schlossen sie die entnommenen Organe zunächst an ein Perfusionssystem an, das die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen gewährt. Zum Kälteschutz behandelten sie die Lebern mit der Glukoseverbindung 3-OMG (3-O-Methyl-D-Glukose) und kühlten sie mit Polyethylenglykol als Frostschutz und einer weiteren Lösung auf 4 Grad Celsius. Schließlich lagerten sie die Organe bei -6 Grad Celsius für 72 oder 96 Stunden, bevor sie die Temperatur stufenweise wieder erhöhten.

Überlebensrate von 100 Prozent nach 72 Stunden Lagerung

Nach 72-stündiger Lagerung überlebten alle Empfängertiere mindestens drei Monate. Bei Konservierung von 96 Stunden lag die Überlebensrate nur noch bei 58 Prozent. „Auch unter den vier Tage gelagerten Lebern hätten wir eine Überlebensrate von 100 Prozent erreicht, wenn wir nur jene genommen hätten, in denen Sauerstoffaufnahme, Flüssigkeitsbildung und Durchfluss der Perfusionslösung gut waren“, wird Koautor Bote Bruinsma in einer Mitteilung der Universität zitiert. Die Autoren schreiben: „Dies ist nach unserem Wissen die erste Konservierungstechnik, die Lebern noch nach vier Tagen transplantierbar erhält.“Eine Übertragbarkeit des Verfahrens auf den Menschen würde die Zahl der erfolgreichen Lebertransplantationen erhöhen, betonen sie. „Je länger wir Spenderorgane lagern können, desto größer ist die Chance, dass ein Patient die bestmögliche Übereinstimmung bekommt und dass Ärzte und Empfänger optimal auf die Operation vorbereitet sind“, sagt Rosemarie Hunziker von den Nationalen US-Gesundheitsinstituten (NIH). „Das ist ein entscheidender Schritt, um die Organlagerung für eine Transplantation zu verbessern.“

Bis zur Anwendung am Menschen ist es allerdings noch ein weiter Weg, wie die Forscher selbst einräumen: Dies liegt zum einen daran, dass sich menschliche Leberzellen von solchen bei Nagetieren unterschieden. Zudem steigt das Risiko für Frostschäden auch schon allein deshalb, weil menschliche Lebern viel größer sind als die etwa von Ratten.

Quelle: Organspende: Extreme Kühlung vervielfacht Haltbarkeit – SPIEGEL ONLINE.

Der Thementag "Organspende" – SWR1 Baden-Württemberg

Die letzte Chance für ein neues Leben

Prof. Alfred Königsrainer

Transplantationsmediziner und Leiter der Chirurgischen Universitätsklinik Tübingen
Sendung am Donnerstag, 5.6. | 10.00 Uhr | SWR1 Baden-Württemberg

„Organspende – Eine zweite Chance fürs Leben“ das ist der Titel des SWR1-Aktionstages am 5. Juni 2014. Die Situation in Deutschland hat sich dramatisch zu gespitzt. Die Zahl der Spender ist rückläufig. Es gibt deutlich mehr Menschen, die ein neues Herz, eine neue Leber oder eine neue Niere brauchen, als Menschen, die bereit sind, eigene Organe zu spenden. Deshalb ist Prof. Alfred Königsrainer zu Gast in SWR1 Leute. Königsrainer ist einer der angesehensten Transplantationsmediziner weltweit. Seit zehn Jahren leitet er die Chirurgische Universitätsklinik in Tübingen.
Mehr zum Thementag „Organspende“ – SWR1 Baden-Württemberg : Programm | SWR.de

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Prof. Königsrainer war im Jahr 2012 bereits Gast bei „SWR1 Leute“.

Kriterien der Transplantationsmedizin: Das große Leberversagen

Nach dem Skandal um die Vergabe von Spenderlebern sollte aufgearbeitet werden. Doch der Prüfbericht ist schlampig, widersprüchlich und willkürlich.
Dialysepatienten haben eine Sonderstellung im komplizierten Punktesystem zur Organvergabe.
Bild: dpa
Von Heike Haarhoff
BERLIN taz | Kameramänner rangelten um Plätze, Journalisten standen bis in den Gang, unten auf der Straße warteten Ü-Wagen. Selten fand eine Pressekonferenz in den Räumen der  Bundesärztekammer in Berlin so viel öffentliches Interesse wie jene am 4. September 2013, in der es noch einmal, ein letztes Mal, um die Lebern und den Skandal gehen sollte.

Der Glaube an die Gerechtigkeit in der Transplantationsmedizin war im Jahr zuvor  abhandengekommen. Es hatte Manipulationsvorwürfe an mehreren Universitätskliniken gegeben. Ärzte, so der Vorwurf, hätten die Richtlinien der Bundesärztekammer zur Vergabe von  Spenderorganen bewusst missachtet, um ihre eigenen Patienten bei der Zuteilung zu bevorzugen. Dazu hätten sie Falschangaben gegenüber der Organvermittlungsstelle Eurotransplant gemacht, etwa was den Alkoholkonsum ihrer Patienten betraf, die Dialyse-Pflichtigkeit oder die Größe ihrer Leberkrebstumoren. Parameter also, die die Aussichten auf eine Spenderleber beeinflussen. Und dies in einem Bereich der Medizin, in demes aufgrund der Ressourcenknappheit um Leben oder Sterben geht. Aber jetzt, versprach der Ärztepräsident, gehe es aufwärts:„Transplantationsmedizin“, sagte Frank Ulrich Montgomery, „ist heute so sicher wie nie“. Doch genau daran gibt es jetzt, ein halbes
Jahr später, Zweifel unter Medizinern und Juristen. Sie richten sich gegen die Kontrolleure der „Prüfungs- und Überwachungskommissionen“, kurz PÜK, ausgerechnet gegen diejenigen Prüfer also, die Montgomerys Bundesärztekammer zusammen mit dem Spitzenverband der Krankenkassen und der Deutschen Krankenhausgesellschaft in den Monaten zuvor hatte ausschwärmen lassen. Alle 24 deutschen Lebertransplantationszentren sollten die PÜK-Prüfer, darunter Ärzte, Juristen und Vertreter von Landesministerien, auf Unregelmäßigkeiten bei der Organvergabe in den Jahren 2010 und 2011 durchleuchten. Doch wie objektiv, wie belastbar, wie glaubwürdig ist das Urteil der Prüfer?


Ein Gegengutachten

Der Reihe nach. An jenem 4. September legten die Kontrolleure in Berlin ihren Abschlussbericht vor. Die Ergebnisse bestätigten, was ohnehin vermutet worden war, und vielleicht deswegen hinterfragte zunächst niemand, was da vorgetragen wurde: Von 24 Zentren hatten 20 gegen die Richtlinie der
Bundesärztekammer verstoßen, und davon wiederum vier Zentren, so der Prüfbericht, „systematisch“ und „schwerwiegend“. Namentlich waren dies die Uni-Kliniken Göttingen, Leipzig, München – Rechts der Isar und Münster.
Sie galten fortan als Bösewichte ihrer Zunft. In Regensburg waren zuvor ebenfalls systematische Verstöße entdeckt worden, allerdings lange vor dem Untersuchungszeitraum 2010/2011. „Prüfungs- und Überwachungskommissionen“, lobte der Ärztepräsident, „sind zügig arbeitende  Kontrollgremien, die den Anforderungen des komplexen Gebiets fachlich, inhaltlich und rechtlich
gerecht werden.“ Wirklich? Norbert Roeder, Ärztlicher Direktorder Uniklinik Münster (UKM) und Chef einer der vier in Verruf geratenen Kliniken, spricht als Erster die Kritik an der Kommission  öffentlich aus: „Wir weisen die Feststellung, dass es am UKM zu ’systematischen Richtlinienverstößen‘ gekommen ist, mit Nachdruck zurück“, erklärte Roeder gegenüber der taz. Der Ausdruck suggeriere „ein methodisches und planvolles Vorgehen im Wissen und in der Absicht, einschlägige Vorschriften bewusst zu verletzen“. Ein solcher Schluss lasse sich aber nicht ziehen, „auch aufgrund der in dem Bericht dargestellten Faktenlage“. Von den 25 in Münster beanstandeten Fällen will Roeder 9 als Verstöße gegen die Richtlinie anerkennen; diese seien jedoch Dokumentations- und Kommunikationsproblemen geschuldet, nicht aber Systematik oder Vorsatz.

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Quelle: TAZ

Organspende-Prozess: Das Reich des Doktor O.

19.12.2013 ·  Seit einem Vierteljahr wird der erste große Skandal um Spenderorgane verhandelt. Das Bild des Menschenfreundes, das der Angeklagte gerne von sich zeichnet, hat Risse bekommen. Handfeste Vorwürfe gegen Aiman O. gab es bislang aber wenige.

Von Andreas Nefzger 

Aiman O. betritt Saal B25 des Landgerichts Göttingen. © dpa

Die Regeln sahen vor, dass Irina F. stirbt. Eine Flasche Wodka trank die junge Mutter am Tag, über Jahre hinweg. Irgendwann wurde sie krank, erst gelb und dann dick vom vielen Wasser im Bauch. Diagnose: Leberzirrhose. Die Medizinische Hochschule Hannover weigerte sich, die Alkoholikern auf die Liste für ein Spenderorgan zu setzen. Also bereitete sich Irina F. auf das Ende vor: „Ich war bereit zu sterben.“ Doch dann nahm die Universitätsmedizin in Göttingen sie auf die Liste. Am 21. Mai 2010 bekam Irina F. eine neue Leber. Sie war 33 Jahre alt, ihre Kinder zwölf und neun. Heute trinkt sie keinen Alkohol mehr, und es geht ihr blendend. „Doktor O. hat mir eine zweite Chance gegeben“, sagt sie im Prozess gegen den Mann, der ihr das Leben gerettet hat. Doch Irina F. hätte wohl nie operiert werden dürfen.
Seit einem Vierteljahr muss sich Aiman O. vor dem Landgericht Göttingen verantworten. In elf Fällen soll er Daten manipuliert haben, um seinen Patienten eine Spenderleber zuzuschustern. Er soll Blutwerte verändert, Dialyseprotokolle gefälscht und, wie bei Irina F., über die Abstinenzzeit trockener Alkoholiker gelogen haben. Patienten in anderen Häusern sollen deshalb zu Unrecht länger auf ein rettendes Organ gewartet haben und darüber womöglich gestorben seien. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag. In drei weiteren Fällen geht die Anklage von Körperverletzung mit Todesfolge aus. Aiman O. soll Patienten ohne Not eine Leber verpflanzt haben; sie starben an den Folgen der Operation.

Manipulationen gab es definitiv

Mehr als 20 Tage hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen schon verhandelt, knapp 50 Zeugen wurden befragt, fünf Sachverständige gehört. Manches ist klarer geworden in dieser Zeit, anderes blieb vage. Dass es Manipulationen gab, ist unumstritten. Die Prüfer der Bundesärztekammer haben unter 102 Transplantationen 79 Richtlinienverstöße festgestellt. Aiman O.s Nachfolger Otto K. strich die 130 Namen umfassende Warteliste radikal zusammen, zum Teil hätten sich darauf Patienten gefunden, die nicht einmal aufgeklärt worden seien. Bei einem entwickelte sich danach jedoch ein Lebertumor – wie von Aiman O. prophezeit. Seine Anwälte haben deshalb ihrerseits Otto K. angezeigt – wegen versuchten Totschlags.
Das Manöver passt zur Strategie von Aiman O.s Verteidigung, die seit Prozessbeginn die Moral auf ihrer Seite glaubt. Mit rotem Kopf wettert Verteidiger Steffen Stern gegen die Staatsanwaltschaft, deren Klage er jede Substanz abspricht. Die Regeln, nach denen in Deutschland Organe verteilt werden, seien ohnehin verfassungswidrig, und man könne einen Arzt nicht dafür bestrafen, dass er Leben rette. „Ich finde das unerträglich“, ruft Stern, als die Staatsanwaltschaft Irina F. vorhält, dass sie nicht lange genug trocken war, um eine neue Leber zu bekommen.

Die Transplantierten sind zum Teil verkrachte Gestalten

Der Vorsitzende Richter Ralf Günther, geduldig und gutmütig, hat bisweilen Schwierigkeiten, das Temperament der Prozessbeteiligten zu zügeln. Auch Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff kann scharfe Töne anschlagen. Die Korruptionsspezialistin, die auch schon in der Volkswagen-Affäre ermittelt hat, kam zu dem Verfahren, weil anfänglich vermutet wurde, es sei Geld für Organe geflossen. Belege dafür fanden sich nicht, und wer die Patienten sieht, die in der vergangenen Woche zum ersten Mal ausgesagt haben, dem scheint allein die Vermutung absurd. Es sind zum Teil verkrachte Existenzen.
Da ist der 54 Jahre alter Hartz-IV-Empfänger mit grauer Vokuhila-Frisur. Er trank bis vor der Operation eine Flasche Rum am Tag. Er ging mit Beschwerden ins Krankenhaus, betrunken, und kippte im Flur um. Fünf Tage später wachte er in Göttingen wieder auf – mit neuer Leber.
Da ist der 51 Jahre alte arbeitslose Bühnentechniker. Er fing sich Ende der achtziger Jahre in Indien Hepatitis C ein. Er spritzte Heroin und machte einen Entzug. Dann begann er zu trinken. Am 31. März 2011 wurde er in Göttingen gelistet, am Tag darauf bekam er eine neue Leber. Danach zog er in eine Einrichtung für betreutes Wohnen. Es geht ihm gut.

Ohne Transplantation wäre der Mann ohne Zweifel gestorben, wie auch die anderen Patienten. Mögliche Manipulationen kann oder will vor Gericht keiner von ihnen bestätigten. Bisweilen scheinen sie Aiman O. sogar decken zu wollen. Auf die Frage, wie lange vor der Transplantation sie keinen Alkohol getrunken haben, sagen viele: „So ungefähr ein halbes Jahr“ – was der von der Bundesärztekammer vorgegebenen Karenzzeit entspricht. Irinia F., die Mutter zweier Kinder, gibt erst nach hartem Nachfragen zu, dass es vielleicht auch nur vier Monate waren. Eine Zeugin hatte ausgesagt, dass die Frau mit einer Flasche Wodka im Gepäck nach Göttingen gebracht wurde. Zum Abschluss sagt Irina F. unter Tränen: „Ich wollte mich noch einmal bedanken für die zweite Chance.“ Andere Zeugen schütteln Aiman O. die Hand und wünschen ihm alles Gute.
Das Bild des leidenschaftlichen und ausnehmend talentierten Arztes, das Aiman O. vor Gericht von sich selbst zeichnet, beschädigt keiner der Patienten, und die alten Kollegen bestätigen es bisweilen. „Herr Professor O. ist wohl ein guter Chirurg gewesen. Patienten liefen bald nach der Transplantation schon wieder in der Kantine rum und aßen Pommes“, sagt ein Arzt. Ein anderer schwärmt, O. sei „einer der besten Chirurgen, die ich bisher kennengelernt habe“.

Aiman O. führte die Abteilung wie ein Königreich

Aber Aiman O. war offenbar auch ein Tyrann. Der langjährige Direktor der Allgemeinmedizin Hans Becker sagte, der Chirurg habe sich „eine eigene Welt“ in der Universitätsmedizin geschaffen. Ein Arzt sagte, O. habe die Abteilung „wie ein Königreich“ geführt. Dabei schmiedete er offenbar eine Allianz mit Giuliano R., dem mittlerweile beurlaubten Leiter der Gastroenterologie. Die beiden Ärzte hielten die wöchentliche Konferenz über Kandidaten für eine Transplantation ohne Psychiater und ohne Anästhesisten ab, sie fertigten kein Protokoll an und schlossen die Transplantationskoordinatoren aus, die Patientendaten an die Organ-Vermittlungsstelle Eurotransplant weitergeben. Gegen den Gastroenterologen wurden im Prozess schwere Vorwürfe laut. Mehrere junge Ärzte berichteten, dass Giuliano R. sie zu Manipulationen aufgefordert habe oder dass sie auf sein Geheiß Blutproben manipuliert hätten. Die Staatsanwaltschaft wartet mit einer Anklage das Urteil gegen Aiman O. ab.
Gegen den gab es so eindeutige Vorwürfe bislang nicht. Die Assistentin der Transplantationkoordination sagt aus, sie habe ihn einmal auf eine unstimmige Patientenakte angesprochen und sei daraufhin abgebügelt worden: „Davon verstehen Sie nichts. Das ist eine ärztliche Aufgabe.“ Ein Arzt erzählt, wie Aiman O. einmal persönlich mit einer Blutprobe in der Hand zu ihm gekommen sei – ein Professor mit einer Blutprobe, das sei schon seltsam gewesen. Und Anfang der Woche berichtete der Leiter der Anästhesiologie am Göttinger Uniklinikum, Michael Quintel, wie ihn Aiman O. aus einer Besprechung rufen ließ, nachdem die Bundesärztekammer eine Kontrolle angekündigt hatte. O. habe sich erkundigt, ob man Dialyseprotokolle auch nachträglich in die elektronische Patientenakte einfügen könne. „Mir war klar, dass es sich um Protokolle handeln muss, an deren Echtheit erheblicher Zweifel besteht.“

Das Gericht sieht die Vorwürfe im Kern bestätigt

Dem Gericht reichen die bisherigen Erkenntnisse jedenfalls, um die Vorwürfe bei den Manipulationsfällen im Kern bestätigt zu sehen. Als die Kammer am Montag über die Aufhebung des Haftbefehls gegen Aiman O. befindet, präsentiert sie eine Art Zwischenbericht. Es bestehe nach wie vor „dringender Tatverdacht“, verliest Richter Günther in der mehr als einstündigen Begründung. Die schwerer als die Manipulationen wiegenden Vorwürfe der Körperverletzung mit Todesfolge lässt das Gericht aber fallen. Nur in einem Fall habe eindeutig eine Fehldiagnose vorgelegen, die O. aber offenbar nicht bemerkt hatte. Es sei deshalb nur von fahrlässiger Tötung auszugehen. Die drohende Haftstrafe fällt damit geringer aus.
Als das Gericht schließlich verkündet, Aiman O. nach elf Monaten gegen strenge Auflagen aus der Untersuchungshaft zu entlassen, applaudieren Zuschauer. Von Anfang an verfolgen auch ehemalige Patienten den Prozess. Es sind jene, die in Aiman O. vor allem eines sehen: den Retter ihres Lebens.

Quelle: Organspende-Prozess: Das Reich des Doktor O. – Kriminalität – FAZ

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