„Manipulationen an der Tagesordnung“

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Bürgerschaft fordert rasche Aufklärung über Transplantationen. Die Uniklinik betont, niemand habe Schaden genommen. Die Vorwürfe gegen das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) wegen mutmaßlicher Verfehlungen bei Transplantations-Patienten haben in Hamburg, aber auch bundesweit für ein gewaltiges Echo gesorgt.

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Deutscher Bundestag – Kritik an lückenhafter Datenerfassung

Berlin: (hib/PK) Gesundheitsexperten befürworten die Errichtung eines zentralen Transplantationsregisters, befürchten jedoch, das Projekt könnte durch eine lückenhafte Datenerfassung gefährdet werden. Auch der Bundesrat verweist auf diese Schwachstelle. Dem Gesetzentwurf (18/8209) der Bundesregierung zufolge dürfen die Daten der Organempfänger und der lebenden Organspender nur dann an das Zentralregister übermittelt und dort dauerhaft gespeichert werden, wenn Spender und Empfänger vorher eingewilligt haben. Sachverständige halten diese Regelung für verfehlt, wie am Mittwoch eine öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss ergab und auch aus den schriftlichen Stellungnahmen der Experten deutlich wird.

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) wies darauf hin, dass laut Transplantationsgesetz (TPG) die Spenderorgane nach Dringlichkeit und Erfolgsaussicht vergeben werden. Mangels valider Daten könnten jedoch die meisten Organe bisher nur nach Dringlichkeit vermittelt werden. Die geplante Regelung, wonach die Patienten einer Datenerfassung zustimmen müssen, wirke sich negativ aus. Eine verpflichtende Datenerhebung oder eine Widerspruchslösung wären sachgerechter. Die Bundesregierung wolle auch nicht auf die in der Vergangenheit erhobenen Daten zurückgreifen. Damit seien erste Ergebnisse des Registers erst in etwa zehn Jahren zu erwarten.

Auch das Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA) plädierte für eine verpflichtende Datenübermittlung. Selbst wenn Patienten über die Bedeutung und Tragweite der Einwilligung aufgeklärt würden, könnten sie sich dem Entwurf zufolge für die Transplantation und gegen die Datenübermittlung entscheiden. Ebenso denkbar wäre, dass ein Patient nach einer Transplantation seine Einwilligung zur Datenübermittlung wieder zurückziehe. Wegen der geringen Fallzahlen könnten schon wenige fehlende Daten die Ergebnisse beeinflussen. Weiterlesen

Schwieriges Ringen um Qualität in der Medizin

Biermann Medizin ist ein auf aktuelle Nachrichten aus der Medizin spezialisiertes deutsches Medizinunternehmen. Publiziert werden im Biermann Verlag und der MedCon Health Contents GmbH Zeitungen und Newsletter für mehr als ein Dutzend klinische Disziplinen sowie Web-Seiten und digitale News-Services für viele Unternehmen der Medizinindustrie. Der Verlag wächst auch international. Derzeit erscheinen ca. 15 regelmäßige Publikationen in vier europäischen Ländern. International strebt der Verlag eine führende Position auf dem Gebiet der deutsch-, englisch- und französischsprachigen Kongresspublikationen für internationale Meetings und Kongresse in Europa, Nah-Ost und Amerika an.

Quelle: Schwieriges Ringen um Qualität | Biermann Medizin Newsportal

Bundesrat – Transplantationsregister – 945. Sitzung

Der Bundesrat fordert in seiner Stellungnahme vom 13. Mai 2016 eine vereinfachte Datenweitergabe bei der Errichtung eines bundesweiten zentralen Transplantationsregisters. Bislang werden die Daten, die man für eine Transplantation benötigt, dezentral erfasst: Transplantationszentren, Koordinierungsstelle, Vermittlungsstelle sowie die mit der Nachsorge betrauten Ärzte erheben zu verschiedenen Zeitpunkten eine Vielzahl von Informationen zu Spendern und Empfängern. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, diese Daten an einem Ort zusammenzuführen – dem zentralen Transplantationsregister.

Personenbezogene Daten sollten nach Meinung der Länderkammer dabei auch ohne Einwilligung von Organempfänger und Organlebendspender an das Transplantationsregister übermittelt werden dürfen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass diese Personengruppen nur fragmentarisch im Register erfasst würden.

Transparenz, Qualitätssicherung, Datenschutz

Ziel der Zusammenführung von Daten ist es, deren Qualität und Verfügbarkeit zu steigern und die Dokumentation effektiver zu gestalten. Mit dem Transplantationsregister werde zudem die Grundlage für mehr Transparenz bei der Organspende geschaffen, heißt es in dem Gesetzentwurf.

Von einer unabhängigen Vertrauensstelle werden die personenbezogenen Daten vor der Aufnahme in das Register pseudonymisiert. Es ist vorgesehen, dass die Bundesdatenschutzbeauftragte sowohl die Transplantationsregisterstelle als auch die Vertrauensstelle kontrolliert.

Der Gesetzentwurf wird in einem besonderen Eilverfahren behandelt und wurde dem Bundestag bereits durch die Bundesregierung zugeleitet. Die Stellungnahme des Bundesrates wird nun nachgereicht.

Weitere Informationen
PDF-Dokument Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung eines Transplantationsregisters  (BR-Drs. 157/16 – PDF, 626 KB)
PDF-Dokument Ausschussempfehlungen  (BR-Drs. 157/1/16 – PDF, 77 KB)

Quelle: Pressemitteilung des Bundesrates v. 13.05.2016 Bundesrat – Plenum KOMPAKT – 945. Sitzung

Tausende Patienten nicht für Nierentransplantation gemeldet?

Bereits am  12.04.2016 sendet FAKT exklusiv einen Beitrag mit dem Titel „Nach Transplantationsskandal neue Systemlücke aufgetaucht„. In diesem Beitrag werden zwei Dialyseärzte aus NRW beschuldigt, aus Profitstreben über Jahre Dialysepatienten nicht zur Transplantation angemeldet zu haben. Mehrere Dialysepatienten haben dies der Staatsanwaltschaft Dortmund zur Anzeige gebracht. Weiterlesen

Verdacht auf Betrug bei Herzspenden: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Deutsche Herzzentrum Berlin

Die Organentnahme an einem hirntoten Menschen kann Leben retten. Im Fall des mutmaßlichen Manipulationsskandals des DHZB scheint das Vertrauen erschüttert. Foto: imago stock&people

Von .

Berlin –  Das renommierte Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) hat offenbar einen handfesten Manipulationsskandal bei Herzspenden. Patienten des DHZB sollen schneller an Organe gekommen sein, als Patienten anderer Kliniken. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung.

Das international renommierte Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) hat womöglich auf illegale Weise dafür gesorgt, dass seine Patienten bei der Vergabe von Spenderherzen bevorzugt werden. Nach Informationen der Berliner Zeitung ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung, nachdem das Herzzentrum am Donnerstag Selbstanzeige stellte. DHZB-Sprecherin Barbara Nickolaus bestätigte, das Zentrum habe Ermittlungen veranlasst. Sie wollte sich aber mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht näher äußern.

Dem Vernehmen nach war am 1. April eine Kommission der Ärztekammer bei einer Überprüfung der Organtransplantationen im Herzzentrum auf Auffälligkeiten in neun Fällen gestoßen. Im Juli forderte die Kommission dann die Akten von 19 weiteren Patienten an.

Ermittlung wegen fahrlässiger Tötung

Danach sollen zwischen 2010 und 2012 insgesamt 28 Patienten, die auf eine Organtransplantation warteten, im Herzzentrum hoch dosierte Medikamente erhalten haben, ohne dass es einen triftigen medizinischen Grund dafür gab. Diese Arzneimittel werden üblicherweise nur dann verordnet, wenn sich der Zustand des Kranken so stark verschlechtert hat, dass er vermutlich nicht mehr lange leben wird. Bei dieser Diagnose rücken Patienten auf der Warteliste der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) um einige Plätze nach oben.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre das ein riesiger Skandal für das DHZB. Denn damit wären Patienten anderer Kliniken, die dringender eine Transplantation benötigten, benachteiligt worden – und womöglich in der Zeit des Wartens gestorben. Daher auch die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Die verantwortliche Oberärztin ist inzwischen von ihrer Tätigkeit entbunden worden.

Gesundheitsminister Czaja fordert Prüfbericht

Der für die Krankenhausaufsicht zuständige Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) wurde vor einer Woche vom DHZB informiert. „Das sind schwerwiegende Vorwürfe, die schnell aufgeklärt werden müssen“, sagte er. Die Staatsanwaltschaft müsse eine strafrechtliche Relevanz prüfen. Bevor der Senator weitere Schritte unternehmen kann, muss er den schriftlichen Prüfbericht der Ärztekammer abwarten, der frühestens Ende August vorliegt.

Dazu verpflichtet ihn das Transplantationsgesetz, das nach dem Organspendeskandal in Göttingen im Jahr 2012 verabschiedet worden war. „Ich habe aber das Herzzentrum gebeten, mir darzulegen, welche Maßnahmen ergriffen wurden, damit ein Missbrauch nicht mehr passieren kann“, sagte Czaja.

Skandal kurz vor dem Abgang: Herzchirurg Roland Hetzer. Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Die Konkurrenz um Spenderorgane unter den Kliniken ist groß. 12.000 Patienten warteten voriges Jahr in Deutschland auf eine Transplantation, doch nur 3248 Organe wurden gespendet. Darauf wies kürzlich erst Roland Hetzer hin, der langjährige Leiter des Herzzentrums. Er behandelte Patienten wie den früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin. Im Oktober geht Hetzer in den Ruhestand. Er wird sich einen Abgang unter anderen Umständen gewünscht haben.

Quelle: Verdacht auf Betrug bei Herzspenden: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Deutsche Herzzentrum Berlin | Berlin – Berliner Zeitung.

Organspende: Numerus Clausus für Lebern?

28.11.2013 ·  Die Bereitschaft, Organe zu spenden, geht zurück. Das liegt auch daran, dass sie ungerecht verteilt werden. Es müssen jetzt endlich einklagbare Kriterien aufgestellt werden.

Von Oliver Tolmein 
Der Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) Rainer Hess hat anlässlich der Bekanntgabe der äußerst niedrigen Organspendezahlen für 2013 öffentlich die Frage aufgeworfen, ob dieses zunehmend knappe Gut ausreichend gerecht verteilt werde. Das wird die Verteidigung im Totschlagsprozess gegen den Göttinger Transplantationschirurgen, dem die Manipulation von Wartelistendaten vorgeworfen wird, gerne gehört haben, denn auch sie hält im Interesse ihres angeklagten Mandanten das gegenwärtige Verteilungssystem für fragwürdig. Rechtswissenschaftler plädieren dafür, die Prognose, inwieweit eine Transplantation voraussehbar Erfolg haben wird, stärker als bisher zu gewichten.
Dass auch der Deutsche Ethikrat zu Beginn des Herbstes darüber gestritten hat, wie Zuteilungskriterien für Organe künftig ausgestaltet werden sollen, unterstreicht, welche Bedeutung diesem Konflikt zugemessen wird. Es geht ja auch um Leben oder Tod: Wer auf der Warteliste ganz oben rangiert, kann vielleicht eine der wenigen hundert Lebern, Herzen oder Lungen erhalten. Wer Organe zu welchem Zeitpunkt bekommt, richtet sich nach den „Richtlinien für die Wartelistenführung und Organvermittlung“, die die Bundesärztekammer aufgestellt hat. Sie folgt dabei dem „Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft“, wie es in Paragraph 16 des Transplantationsgesetzes heißt, als ob es hier um eine schlichte Umsetzung medizinischen Wissens ginge.

Lebensgefahr lässt Chancen auf Spenderorgan steigen

Sechs Richtlinien für verschiedene Organe gibt es derzeit. Die Dünndarmtransplantation folgt anderen Regeln als die Nierentransplantation, und die wiederum unterscheiden sich von denen zur Herz- oder Lebertransplantation. Bei allen Differenzen in den Einzelfragen haben die Richtlinien aber eine wichtige Gemeinsamkeit: Voraussetzung für die Aufnahme auf die Warteliste ist, dass eine entsprechende medizinische Indikation vorliegt und kein grundlegendes Hindernis für eine Organübertragung. Als grundlegendes Hindernis wird dabei auch die unzureichende Mitarbeit des Patienten (compliance) betrachtet – das ist aber eindeutig kein feststehendes, wissenschaftlich nachprüfbares Kriterium, sondern eine schwierige Frage der Wertung.
Hat es jemand auf die Warteliste geschafft, dann spielen bestimmte medizinische Faktoren eine wichtige Rolle: Ein Organ wird nur an Patienten vermittelt, bei denen zum Beispiel die Blutgruppe stimmt. Bei den Patienten, bei denen die Organübertragung aus medizinischen Gründen Erfolgschancen hat, wird die Dringlichkeit zum herausragenden Faktor: Der, bei dem die Lebensgefahr besonders drängend ist, hat bessere Chancen auf ein Organ als Patienten, die auch ohne Transplantation vorerst noch eine gute Überlebensperspektive haben.

Das Verteilungssystem ist das Problem

Hier setzt die Kritik von einigen Medizinern und Juristen an. Die Transplantationsmedizinerin Gertrud Greif-Higer, Geschäftsführerin des Ethikkomitees der Universitätsklinik Mainz, hat auf der Tagung des Ethikrates die Konsequenz beschrieben, die das gegenwärtige Verteilungssystem hat: Dadurch, dass die Chancen der Patienten, die besonders krank sind, steigen, ein Organ zu erhalten, sinke unter Umständen die Wahrscheinlichkeit, dass der Transplantierte überleben könne. „Das Allokationssystem zwingt die Patienten, die schwer krank sind, die aber mit Transplantation noch gute Chancen haben, dazu, so lange zu warten, bis sie so schwer krank sind, dass sie nur noch mit schlechter Erfolgsaussicht transplantiert werden können. Und selbst wenn die körperliche Rehabilitation gelingt, droht den meisten das soziale Aus, ohne Arbeit, kleine Rente, mit fünfzig im Altersheim.“
Was aber wäre die Alternative dazu? Sollten stattdessen die möglichst fitten, jungen Patienten, deren Leistungsfähigkeit durch eine Operation bestenfalls weitgehend wiederhergestellt werden kann, deren Lebensqualität dadurch optimal gefördert werden würde, stärker von der knappen Ressource Organe profitieren? Das befürwortet so radikal und entschlossen kein namhafter Mediziner, Jurist oder Philosoph in der bundesdeutschen Debatte. Dem stünde auch entgegen, dass es in unserer pluralistischen Gesellschaft keinen Konsens darüber geben kann, welchen Stellenwert Fitness hat und was Lebensqualität ausmachen kann.

Optimierung ja, Diskriminierung nein

Organzuteilungsregeln, die vor allem auf Maximierung bestimmter Vorstellungen von Lebenswert setzen, widersprechen nach allgemeiner Auffassung auch dem Menschenwürdegrundsatz und dem Diskriminierungsverbot im Grundgesetz. Die vielleicht fünf Jahre umfassende Verlängerung des Lebens einer krebskranken Organempfängerin, die zwei kleine Kinder hat, kann rechtlich nicht als weniger wertvoll qualifiziert werden als die zehnjährige Lebensverlängerung, die mit demselben Organ möglicherweise bei einem Single, der keine weitere Erkrankung hat, erreicht werden könnte.
Der Grundsatz der, wie es in der juristischen Debatte bürokratisch abstrakt formuliert wird, „lebenswertindifferenten Organverteilung“ schließt aber nach Meinung der Heidelberger Strafrechtswissenschaftler Gerhard Dannecker und Anne Streng nicht aus, dass Verteilungskriterien entwickelt werden könnten, die einem Optimierungsgebot folgen, das zum Ziel haben sollte, „die knappen Ressourcen so einzusetzen, dass möglichst viele Menschen gerettet werden können“. Dannecker und Streng sehen den Staat hier geradezu in der Pflicht, ein solches System, in dem dann das Erfolgskriterium doch eine erheblich wichtigere Rolle spielen würde, zu etablieren.

Nun ist es allerdings auch heute nicht so, dass die Organverteilung die vorhandenen Ressourcen nicht erschöpfen würde. Die Kritiker nehmen ja nicht ins Visier, dass Organe liegen gelassen oder nicht entnommen würden; sie hadern damit, dass diese in ihren Augen nicht an die richtigen Patienten gelangen und damit nicht das beste denkbare Ergebnis erzielt wird. Da das gegenwärtig bevorzugte Dringlichkeitskriterium bei der Organvergabe keineswegs willkürlich ist, sondern in besonderer Weise dem Gleichheitsgrundsatz Rechnung trägt, taugt auch das gelegentlich ins Spiel gebrachte Numerus-clausus-Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1972 über Studienplätze als Argument für eine Änderung des Organverteilungssystems wenig.

Fehlender Rechtsschutz ist nicht hinzunehmen

Das ändert allerdings nichts daran, dass eine Debatte über die Organverteilung nötig ist, nur mit einer anderen Zielsetzung: Da es hier um rechtliche Fragen geht, die im Ergebnis die Zuteilung von Lebenschancen betreffen, müssen die Betroffenen die Chance haben, sich gegen Fehlentscheidungen zu wehren. Wer nicht auf die Warteliste gelangt, muss dagegen vorgehen können. Es ist auch schwer hinzunehmen, dass man dagegen klagen kann, keinen Studienplatz bekommen zu haben, dass es aber keine wirksame Rechtsschutzmöglichkeit gibt, wenn man meint, bei der Plazierung auf der Warteliste benachteiligt worden zu sein. Das setzt auch voraus, dass nicht an die Bundesärztekammer delegiert wird, scheinbar medizinisch neutrale Kriterien für die Organverteilung zu finden, sondern dass sich hier, wie bei anderen wesentlichen Fragen auch, der Gesetzgeber in die Pflicht nimmt, fachlich gut beraten auf Grundlage der Wertungen des Grundgesetzes entsprechende rechtliche Regeln zu definieren.
Ein Beispiel, wie der Staat hier nachvollziehbar seinen Pflichten gerecht werden kann, findet man im neuen Schweizer Transplantationsgesetz, das sowohl den Rechtsweg gegen Verfügungen über die Zuteilung von Organen eröffnet, als auch die Pflicht der Schweizer Bundesregierung begründet, ein diskriminierungsfreies Zuteilungsverfahren zu entwickeln.

Quelle: Organspende: Numerus Clausus für Lebern? – Feuilleton – FAZ

Organtransplantationen: Kommission entlastet Regensburg

An vier Lebertransplantationszentren wurden systematische Verstöße gegen die Richtlinien festgestellt.
(Foto: Getty Images)

In vier deutschen Lebertransplantationszentren wurde in den Jahren 2010 und 2011 gegen die Richtlinien verstoßen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Prüfkommission der Bundesärztekammer – die Regensburger Uniklinik ist wider Erwarten nicht darunter.

Von Christina Berndt

Und was ist mit Regensburg? Diese Frage stellten sich viele Beobachter des Organspendeskandals, die bei der Bundesärztekammer angesiedelte Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK) Anfang September ihre Ergebnisse zu allen 24 deutschen Lebertransplantationszentren vorstellte. An vier Zentren hatte die PÜK systematische Verstöße gegen die Richtlinien festgestellt – in Göttingen, München rechts der Isar, Leipzig und Münster.

Regensburg aber war nicht darunter; es erwies sich in den von der PÜK untersuchten Jahren 2010 und 2011 als sauber, obwohl es an dem Klinikum zwischen 2003 und 2006 die stattliche Zahl von 43 Unstimmigkeiten bei Lebertransplantationen gegeben hatte. Zu dieser Zeit war der jetzt in Göttingen wegen Manipulationen der Warteliste angeklagte Chirurg Doktor O. in Regensburg tätig.

Die Frage, was in der Zeit dazwischen in Regensburg geschehen war, hat die PÜK nun beantwortet – zu Gunsten der oberpfälzischen Universitätsklinik. „In den vergangenen fünf Jahren hat es keine wesentlichen Vorkommnisse in Regensburg mehr gegeben“, sagt Ruth Rissing-van Saan, eine der Prüferinnen und ehemalige Richterin am Bundesgerichtshof. „Dort deutet in diesem Zeitraum nichts auf systematische Manipulationen hin, um Patienten zu bevorzugen.“ Systematisch definiert die PÜK als „gezielt, geplant und kontinuierlich eingesetzt“, denn einzelne Verstöße gegen Richtlinien, „die offenbar im Eifer des Gefechts geschehen sind“, wie Rissing-van Saan sagt, gab es an fast allen Zentren.

So fanden die Prüfer in Regensburg wenige Fälle, in denen die Ärzte ihre krebskranken Patienten noch als transplantabel einschätzten, obwohl deren Tumoren nach den Richtlinien schon zu groß waren. In weiteren wenigen Fällen waren alkoholkranke Patienten nicht die erforderlichen sechs Monate trocken gewesen, als sie eine Spenderleber bekamen. Kein einziges Mal wurde dagegen fälschlicherweise eine Dialyse angegeben, was anderswo ein gängiges Mittel war, um Patienten kränker erscheinen zu lassen.

Genauere Angaben will die PÜK derzeit nicht machen, weil das Verfahren nicht abgeschlossen ist; so muss das Regensburger Zentrum noch vor der Veröffentlichung des Berichts gehört werden. Mit der guten Nachricht wollten die Prüfer trotzdem nicht hinterm Berg halten: „Es ist wichtig, einem Transplantationszentrum, das so in Verruf geraten ist, zu attestieren, dass es gegenwärtig gut arbeitet“, sagt Rissing-van Saan.

Ausgesprochen sorgfältig ist der PÜK zufolge in Regensburg auch die Dokumentation der alkoholbedingten Transplantationen gewesen. „In kaum einer anderen Klinik hat es so viele psychiatrische Gutachten zur Überprüfung der Alkoholabstinenz gegeben wie in Regensburg“, sagt Rissing-van Saan. In den wenigen Fällen, in denen eine Transplantation vor Erreichen der Sechs-Monats-Karenz erfolgt sei, hätten die Ärzte keineswegs fahrlässig gehandelt: „Die medizinischen Daten, das psychiatrische Konzil und die Angaben der Patienten sprachen dafür, dass sie mindestens die geforderten sechs Monate trocken waren.“

Diese Ergebnisse könnte das Klinikum Regensburg womöglich auch hinsichtlich einer Publikation entlasten, die in Fachkreisen für Empörung gesorgt hatte: Regensburger Ärzte hatten im Jahr 2011 in der Fachzeitschrift „Scandinavian Journal of Gastroenterology“ Ergebnisse von Lebertransplantationen bei alkoholkranken Patienten publiziert, die zuvor nur kurze Zeit abstinent gelebt hatten. Man habe nicht mit Vorsatz nach kürzerer Karenz transplantiert, hatten die Ärzte diese Publikation erklärt. Vielmehr hätten die Patienten die Ärzte über ihren Alkoholkonsum hinweggetäuscht. Erst nach der Transplantationen hätten sie ehrlich zugegeben, dass sie erst kurze Zeit trocken gewesen waren.

Die Ergebnisse sind auch für die Rehabilitation des Regensburger Chirurgie-Chefs Hans Schlitt von Bedeutung. Schlitt war scharf für die Vorgänge in seiner Klinik kritisiert und im Jahr 2012 auch für einige Monate beurlaubt worden. Zu dem positiven Prüfbericht äußerte er sich nicht. Das Uniklinikum teilte mit, man nehme diesen „erfreut zur Kenntnis“.

Was bleibt, ist die stattliche Reihe von Richtlinienverstößen in den Jahren 2003 bis 2006. Berüchtigt ist auch ein Vorfall aus dem Jahr 2005, der als „Leber von Amman“ in die Annalen der deutschen Transplantationsmedizin einging. Damals hatten Regensburger Ärzte gegenüber der Organvermittlungsstelle Eurotransplant angegeben, eine jordanische Patientin liege krank in Regensburg und brauche dringend eine Spenderleber, die ihr auch zugeteilt wurde. Doch in Wirklichkeit lag die Frau in einer Privatklinik in Jordaniens Hauptstadt Amman, wo der in Göttingen angeklagte Doktor O. ihr die Spenderleber transplantierte, die einem europäischen Patienten zugestanden hätte. Schlitt sagte der SZ einmal, sein damaliger Mitarbeiter O. habe ihn über den Verbleib der Leber getäuscht.

Auch wenn Schlitt die Vorkommnisse aus früheren Zeiten nicht ungeschehen machen kann, so kann er nun zumindest belegen, dass unter seiner Führung in den vergangenen Jahren in Regensburg alles mit rechten Dingen zuging.

Quelle: Organtransplantationen: Kommission entlastet Regensburg – Gesundheit – Süddeutsche.de

Organmangel: Notlösung krebskranke Organspender

In Deutschland sind Organspenden ein rares Gut – nicht erst seit den Skandalen aus dem letzten Jahr. Zunehmend greifen die Transplanteure auch zu Organen von Spendern mit Tumoren. Ob das wirklich sinnvoll ist, sollen neue Daten zeigen.
Von Denis Nößler

Über 8000 Menschen in Deutschland warten auf eine neue Niere.
© horizont21 / fotolia.com

BERLIN. Organmangel macht erfinderisch: Weil die Nachfrage das Angebot von Spenderorganen deutlich übersteigt und allein in Deutschland jeden Tag drei Patienten der Warteliste sterben, greifen Transplanteure zunehmend auch zu „schlechten“ Organen.
Doch das muss gar nicht schlecht sein, wie neueste Zahlen der Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) zeigen, die bei der 5. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) in Berlin vorgestellt wurden.
Früher sei es „undenkbar“ gewesen, etwa Organe von Spendern mit einem Malignom zu akzeptieren, sagte Kerstin Mönch, DSO-Koordination in Mainz. „Heute sieht das anders aus, wir akzeptieren ‚Extended Criteria Donors‘.“
Dazu zählen im Fall der Nierentransplantation nicht nur Patienten über 60, mit Bluthochdruck oder erhöhtem Serumkreatinin, sondern mittlerweile auch solche mit bösartigen Tumoren.

Mit Organen kranker Spender gibt es nur wenige Erfahrungen

Das Problem für die behandelnden Ärzte: Mit solchen Organen gibt es nur wenig Erfahrung, kaum valide Daten und wenn überhaupt nur mit einem begrenzten Evidenzgrad.
Laut Mönch liegt das Transmissionsrisiko in den publizierten Studien zwischen 0, 0,02 und 0,2 Prozent. „Da sind mir zu viele Zehnerpotenzen drin.“
Sie hofft deswegen auf das geplante deutsche Transplantationsregister, um künftig eine validere Datengrundlage zu haben.
Auch randomisiert-kontrollierte Studien wird es in Zukunft wohl kaum geben. Sie sind ethisch in diesem Fall nicht vertretbar und würden etwa in Deutschland ohnehin mit den geltenden Allokationsregeln kollidieren.
Ein weiteres Problem, erinnerte Mönch, ist die Tatsache, dass viele Krebserkrankungen in Spenderorganen erst nach der Transplantation festgestellt werden. Diese Tumoren waren entweder im Spender übersehen worden oder zuvor einfach nicht auffällig.
Zur Erinnerung: Wegen der Immunsuppression passiert es nicht selten, dass zuvor okkulte Krebserkrankungen erst im Empfänger zu gefährlichen Tumoren anwachsen und womöglich metastasieren.

248 von 7483 Spendern mit Tumoren

Die DSO hat mittlerweile Daten von 7483 Spendern aus den Jahren 2006 bis 2011 ausgewertet. Seit September 2010 läuft eine Follow-up-Analyse, bei der kontinuierlich über die Transplantzentren der Zustand der Empfänger abgefragt wird.
Immerhin 248 dieser Spender hatten Malignome (3,31 Prozent). Nierenzellkarzinome (RCC) stellten mit 38 Tumoren die Hauptzahl, gefolgt von Mammakarzinomen (16).
Unter den ZNS-Tumoren stellten Grad-III- und Grad-IV-Tumoren die Mehrheit, etwa das Astrozytom oder Glioblastoma multiforme. Mönch: „Es ist wirklich alles dabei.“
Von den Spendern mit Malignomen gingen insgesamt 702 Organe an 648 Empfänger (darunter 338 Nieren, 207 Lebern, je 75 Herzen und Jungen und sieben Bauchspeicheldrüsen).
Die Wartezeit der Empfänger lag im Median bei knapp über fünf Jahren, was für Deutschland ein relativ niedriger Wert ist.
Nur bei 8,7 Prozent der gespendeten Organe wurde erst nach der Transplantation erkannt, dass die Spender maligne Tumoren hatten.
Bei dem ganz überwiegenden Teil der Spenderorgane wurde bereits zuvor ein Malignom bei den Spendern diagnostiziert. Die meisten Organe sind also mit dem Wissen um die Tumoren von den Transplanteuren akzeptiert worden.

Keine Tumortransmission bekannt

Die gute Nachricht: Bislang ist der DSO keine Tumortransmission berichtet worden, zumindest bei Organen von Spendern, bei denen schon vor der Transplantation ein Krebs diagnostiziert wurde.
Das Follow-up läuft allerdings erst seit etwa eineinhalb Jahren. Mönch befürchtet außerdem nicht gemeldete Fälle, da für ein gutes Viertel der Empfänger keine Nachfolgedaten gemeldet wurden.
Bei den Organen von sieben Spendern mit okkulten Krebserkrankungen verzeichnet die DSO allerdings tatsächlich Tumorübertragungen, darunter RCC, Mamma-Ca, kolorektale Karzinome und neuroendokrine Tumoren. Zehn Empfänger sind erkrankt, acht gestorben.
Bei den drei Patienten mit dem RCC konnten die Ärzte die transplantierten Nieren wieder entfernen. Gerade bei Nierenspenden mit Malignomen ist der Vorteil, dass sie wieder entfernt und die Patienten bis zur Retransplantation an der Dialyse weiterbehandelt werden können.
Damit kann auch die Immunsuppression eingestellt werden, was dem Körper die Chance gibt, residuale Tumorzellen aus eigener Kraft zu bekämpfen.

Engmaschie Nachsorge durch Zentren wichtig

Eine generelle Empfehlung für die Verwendung von Organen von krebskranken Spendern sind diese Zahlen freilich nicht.
Dennoch: Laut Mönch sind die Transmissionsraten in der deutschen Kohorte mit 0,02 Prozent niedrig. „Wir bieten alles an, weil auch alles akzeptiert wird.“
Dazu zählten mittlerweile sogar Organe von Spendern mit stark rezidivierenden Tumoren, etwa Melanom oder Mamma-Ca, bei denen die Tumoren allerdings schon Jahre zuvor entfernt wurden. Als ungeschriebene Grenze gilt ein Abstand zwischen Resektion und Spende von zehn Jahren.
Selbst Organe von Spendern, die Lymphknotenmetastasen hatten, wurden schon von einzelnen Transplantzentren akzeptiert.
Mönch: „Ich glaube nicht, dass wir bei der Organauswahl noch viel Spielraum haben.“ Allerdings gebe es etwa in der Nierenspende mit RCC die Möglichkeit einer Nieren-erhaltenden Operation vor der Transplantation.
Entscheidend sei in all diesen Fällen allerdings die engmaschige und sorgfältige Nachsorge durch die Zentren. Auch die Follow-ups müssten gewährleistet werden.
„Das ist wirklich wichtig“, sagte Mönch und verwies darauf, dass bei einer Diagnose sofort die DSO und Eurotransplant informiert werden müssten, um womöglich weitere Empfänger desselben Spenders zu informieren.
Quelle_ Ärztezeitung „Organmangel: Notlösung krebskranke Spender“

Bundesärztekammer – Erstprüfungen in allen 24 Leberzentren abgeschlossen

Erstprüfungen in allen 24 Leberzentren abgeschlossen
Überprüfung der Lebertransplantationsprogramme zeigt, dass die Maßnahmen für mehr Kontrolle und Transparenz in der Transplantationsmedizin greifen

Berlin, 04.09.2013

Die Vor-Ort-Prüfungen aller 24 Lebertransplantationsprogramme in Deutschland durch die Prüfungskommission und die Überwachungskommission  von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband sind abgeschlossen. In vier Transplantationszentren wurden schwerwiegende Richtlinienverstöße unterschiedlicher Ausprägung festgestellt. In zwanzig Transplantationszentren wurden keine Richtlinienverstöße, beziehungsweise nur solche Richtlinienverstöße festgestellt, bei denen sich aufgrund der Umstände des Einzelfalls oder der geringen Anzahl kein Verdacht auf systematische oder bewusste Falschangaben zur Bevorzugung bestimmter Patienten ergab.  Darauf verwiesen  die Kommissionsvorsitzenden, Anne-Gret Rinder,  Vorsitzende Richterin am Kammergericht i. R., und Prof. Dr. Dr. Hans Lippert, heute in Berlin. Die Ergebnisse wurden zusammen mit dem Kommissionsbericht 2012/2013 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Prüfungen sind Teil des nach dem Transplantationsskandal im Sommer 2012 auf neuer gesetzlicher Grundlage ausgeweiteten Kontrollsystems im Transplantationswesen. „Durch die neu geschaffenen Kontrollmöglichkeiten konnten wir schnell und angemessen auf die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Manipulation von Patientendaten reagieren“, sagte Rinder.  „Positiver Effekt der Vor-Ort-Prüfungen ist im Zusammenhang mit der Einführung der interdisziplinären Transplantationskonferenzen bereits jetzt eine Verbesserung der formalen Abläufe sowie der Dokumentationen“, ergänzte Lippert. Nach Einschätzung der Kommissionsvorsitzenden ist für die Jahre 2012 und 2013 mit einer deutlich geringeren Anzahl von Richtlinienverstößen zu rechnen.

Die Kommissionsvorsitzenden erläuterten: Nach einer Vor-Ort-Prüfung werde ein Bericht erstellt, der die Feststellungen und Wertungen der Kommissionen enthält. Dieser Bericht werde zur Gewährung rechtlichen Gehörs unter Fristsetzung an die für das Lebertransplantationsprogramm eines Zentrums verantwortlichen Ärzte übersandt. Die Kliniken hätten Gelegenheit, zu wesentliche Kritikpunkten Stellung zu beziehen. Der abschließende Kommissionsbericht werde anschließend jeweils dem Ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums, den zuständigen Landesbehörden sowie der Landesärztekammer und gegebenenfalls der zuständigen Staatsanwaltschaft zugeleitet.

Schwerwiegende Richtlinienverstöße stellten die Prüfer in der Universitätsklinik Göttingen und Leipzig sowie in zahlenmäßig geringerem Ausmaß in München rechts der Isar und Münster fest. Diese Verstöße hatten zur Folge, dass für bestimmte Patienten die Dringlichkeit zur Lebertransplantation erhöht wurde und sie damit auf der Warteliste weiter nach vorne rückten.

„Allerdings ist es in einigen Zentren auch um grenzwertige oder nicht mehr richtlinienkonforme Indikationen gegangen“, erläuterte Prof. Dr. Hans Lilie, Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer und Mitglied des Prüfteams. „Einschlägig waren Angaben zu möglichen Einschränkungen der Aufnahme in die Warteliste, Angaben von Laborwerten zur Berechnung des MELD-Scores, Angaben im Zusammenhang mit der Beantragung einer sogenannten Standard Exception oder des beschleunigten Vermittlungsverfahrens sowie Angaben zu Dialysepatienten.“ Lilie kündigte an, dass die Ergebnisse der Prüfungen in der Ständigen Kommission Organtransplantation schnellstmöglich ausgewertet werden.

„Die MELD-basierte Leberallokation ist komplex und bedarf deshalb einer entsprechenden Expertise, um den individuellen und aktuellen Gesundheitszustand der Patienten bezüglich des MELD-Scores abzubilden. Entsprechend muss auch das Allokationssystem als dynamisches beziehungsweise lernendes System verstanden werden“, so Lilie. Deshalb sei die Ständige Kommission Organtransplantation mit der Weiterentwicklung des MELD-basierten Leberallokationssystems, nicht aber mit der Erarbeitung eines alternativen Modells befasst. Auch in den USA werde entsprechend verfahren. National wie international werde beispielsweise die Einbeziehung weiterer Parametern und MELD-Änderungen, die Revision der Ausnahmeregelungen sowie die Entwicklung von zusätzlichen Scores zur Einschätzung der Erfolgsaussicht nach Lebertransplantation erörtert.

Rinder, Lippert und Lilie betonten die gesetzliche Legitimation und den gesetzlichen Auftrag der Prüfungskommission und der Überwachungskommission sowie der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer. Sie sehen eine wesentliche Aufgabe darin, mit den Kontrollen Chancengleichheit und Gerechtigkeit im Transplantationswesen zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang erläuterte Rinder, dass sich insgesamt keine Anhaltspunkte dafür ergeben haben, dass privatversicherte Patienten oder sogenannte Non-Residents bevorzugt behandelt und transplantiert worden wären. Auch haben sich keine Bedenken gegen das beschleunigte Vermittlungsverfahren als Verfahrensart ergeben.

Als wenig hilfreich wertete Prof. Dr. Ruth Rissing-van Saan, Leiterin der Vertrauensstelle Transplantationsmedizin und Sonderprüferin der Prüfungs- und der Überwachungskommission, unsachliche Einlassungen zur Legitimation und zum Verfahren der Kommissionen. „Wer die Aufarbeitung des Transplantationsskandals ständig versucht  zu skandalisieren, kann oder will nicht verstehen, welch sensibler Bereich die Transplantationsmedizin ist und dass es rechtsstaatliche Grundsätze sind, die unser Vorgehen leiten“, so die Vorsitzende Richterin am Bundesgerichtshof i.R.. Dieses Vorgehen stoße auch bei Selbsthilfegruppen der Organtransplantierten oder bei  Angehörigenverbänden auf absolutes Unverständnis.

Um dem Auftrag des Gesetzgebers und dem besonderen Informationsinteresse der Öffentlichkeit zu entsprechen, veröffentlichen die Prüfungskommission und die Überwachungskommission in ihrem Jahresbericht auch sämtliche Stellungnahmen zu bisherigen Prüfungen in anonymisierter Form. Vorgesehen ist, dass alle 46 Zentren mit ihren gut 140 Transplantationsprogrammen mindestens einmal in einem Zeitraum von 36 Monaten vor Ort geprüft werden.

Kommissionsbericht Teil 1 

Kommissionsbericht Teil 2 

Kommissionsbericht Teil 3 

Kommissionsbericht Teil 4  

Schriftliche Statements zur Pressekonferenz sowie weitere Informationen

Quelle: Bundesärztekammer – Erstprüfungen in allen 24 Leberzentren abgeschlossen